Dagmar Herzog ist Professorin für Geschichte am Graduate Center der City University of New York. 1991 promovierte sie an der Brown University mit einer Arbeit über Religionspolitik in den 1830er–40er Jahren im vorrevolutionären Baden, war von 1991 bis 2005 zunächst Assistant und später Associate Professor of History an der Michigan State University bevor sie 2005 als Professor of History an das Graduate Center, City University of New York wechselte, wo sie seit 2012 Distinguished Professor of History and Daniel Rose Faculty Scholar ist. Von 1993–94 war sie Andrew W. Mellon Fellow an der Harvard University, von 2002–03 Mitglied der School of Social Science am Institute for Advanced Study in Princeton, und 2013 Visiting Research Scholar am Shelby Cullom Davis Center for Historical Studies an der Princeton University und hatte Gastaufenthalte an der Université Paris II (Panthéon-Assas), der Friedrich Schiller-Universität Jena, der Freien Universität Berlin, der Johns Hopkins University, der Cornell University und dem Institut für Sozialforschung.
Dagmar Herzog forscht seit langem zur Geschichte der Sexualität, Religion und des Holocausts mit besonderem Fokus auf faschistische Körperpolitiken und die Geschichte der Eugenik und den gesellschaftlichen Umgang mit Menschen mit Beeinträchtigung in Deutschland und den USA. Sie stellt dabei heraus, wie sich Ideen von Eugenik mit Ideen von Sexualität und Körperlichkeit in einem erotisierten Rassismus verweben und nimmt durch den Nachweis der historischen Kontinuitäten der Eugenik immer wieder auch einen erhellenden Bezug auf die aktuelle politische Situation in Deutschland und den USA mit dem sie unter anderem die Funktionalität des Widerspruchs in den Politiken der extremen Rechten und die Rolle der desorientierten sogenannten Mitte herausarbeitet.
Einige ihrer zahlreichen Bücher sind auch auf Deutsch erschienen, dazu gehören: Cold War Freud: Psychoanalyse in einem Zeitalter der Katastrophen. Berlin: Suhrkamp 2023 [orig. 2017], Die Politisierung der Lust: Sexualität in der deutschen Geschichte des 20. Jahrhunderts. München: Siedler Verlag 2005 [orig. 2005; Neuauflage 2021 im Psychosozial Verlag], Eugenische Phantasmen: Eine deutsche Geschichte. Frankfurter Adorno-Vorlesungen 2021. Berlin: Suhrkamp 2024 und Der neue faschistische Körper. Berlin: Wirklichkeit Books 2025 [orig. 2025].
Im Mai erhält sie den Günther Anders-Preis für kritisches Denken 2026.
Folgende Veranstaltungen sind mit ihr geplant (nähere Informationen folgen):
27. Mai 2026, 18–20 Uhr: „Eugenische Phantasmen“ (Vortrag)
03. Juni 2026, 18–20 Uhr: „Der neue faschistische Körper“ (Vortrag)
04. Juni 2026: 14–18 Uhr: Workshop tbd
Onur Erdur ist Historiker und Kulturwissenschaftler. Er hat in Freiburg, Basel und Zürich Historische Anthropologie, Geschichte und Politikwissenschaft studiert und war von 2009 bis 2015 wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Geschichte der ETH Zürich. 2016 promovierte er an der Universität Zürich mit einer Arbeit zur französischen Epistemologie. Von 2016 bis 2024 forschte und lehrte er am Institut für Kulturwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin, gefolgt von Professurvertretungen in Berlin (Kulturgeschichte) und Flensburg (Neuere und Neueste Europäische Geschichte). Aktuell ist er Fellow in der DFG-Kolleg-Forschungsgruppe „Applied Humanities“ an der HU Berlin.
Onur Erdur forscht derzeit zu Fragen der globalen Ideengeschichte, mit Schwerpunkt auf Kolonialismus und Migration. 2024 erschien sein viel beachtetes Buch „Schule des Südens. Die kolonialen Wurzeln der französischen Theorie“, das auf mehreren Sachbuch-Bestenlisten stand, darunter auf der „Hotlist“ der 10 beliebtesten Bücher aus unabhängigen Verlagen. Übersetzungen ins Englische und Französische sind für 2026 geplant. Er wird im November 2025 als WOC Gastprofessor in Bremen sein.
Folgende Veranstaltungen sind mit ihm geplant:
Podiumsteilnehmer*innen:
Dr. Onur Erdur | Institut für Kulturwissenschaft, Humboldt-Universität zu Berlin & WOC Gastprofessor 2025
Prof. Dr. Stephan Lessenich | Institut für Soziologie, Goethe-Universität Frankfurt am Main & Institut für Sozialforschung
Prof. Dr. Rozena Maart | University of KwaZulu-Natal Durban & Mercator Fellow am WOC Research Center Contradiction Studies
Moderation:
PD Dr. Ehler Voss | Worlds of Contradiction
Mit anschließendem Empfang zum 10-jährigen Bestehen von WOC
Anmeldung unter woc@uni-bremen.de
Im Rahmen des WOC GradNet Lesekreises diskutieren wir gemeinsam mit dem WOC Gastprofessor 2025 Onur Erdur die Einleitung sowie Kapitel 8 Desidentifiziert Euch! Jacques Rancière seines Buches Schule des Südens: Die kolonialen Wurzeln der französischen Theorie (Berlin: Matthes und Seitz, 2024) Die Kapitel sollten vor der Sitzung gelesen sein, das Buch ist online über die SuUB einsehbar. Die Sitzung bietet die Möglichkeit, direkt mit dem Autor ins Gespräch zu kommen, Fragen zum Text zu diskutieren und darüber hinaus etwas über den Entstehungs- und Publikationsprozess des Werkes zu erfahren.
Anmeldung bitte per Email an Lara Herford.
Gespräch mit Nachwuchswissenschaftler*innen des Graduiertenkollegs 2686 Contradiction Studies und des WOC GradNet. Nach einem Input von Onur Erdur wird es Gelegenheit geben, sich auch ausgehend von den eigenen Projekten über inhaltliche und methodische Strategien in der Forschung auszutauschen sowie Fragen bzgl. akademischer Karrierewege zu diskutieren.
Der Lesekreis und das Werkstattgespräch können unabhängig voneinander besucht werden.
Souleymane Bachir Diagne ist Philosoph am Department of French an der Columbia University in New York. Als Absolvent der weltweit renommierten École Normale Supérieure in Paris, wo er u.a. bei Jacques Derrida und Louis Althusser studierte. Diagne war zunächst Professor für Philosophie an der Université Cheikh Anta Diop in Dakar (Senegal), 1993–99 persönlicher Referent des senegalesischen Staatspräsidenten Abdou Diouf für die Bereiche Kultur und Bildungswesen, bevor er 2002 in die USA ging, wo er nach einer Professur für afrikanische Philosophie an der Northwestern University (Evanston/Chicago) seit 2008 an der Columbia University in New York arbeitet.
Prof. Diagne gehört zu den weltweit führenden Experten auf den Forschungsgebieten der Afrikanischen Philosophie und Literatur, der Philosophiegeschichte, Erkenntnistheorie sowie der Islamischen Philosophie. Jüngst beschäftigte er sich mit Universalismustheorien und der Frage der Restitution in kolonialen Kontexten. Seine Publikationen sind mehrfach ausgezeichnet worden (u.a. mit dem Edouard Glissant-Preis und dem Dagnan-Bouveret Preis für Moral und Political Sciences) und liegen in französischer und englischer Sprache vor. Eine ganze Reihe an ins Deutsche übersetzten Interviews bspw. im Merkur, ZEIT Online oder bei arte machen seine Überlegungen auch der deutschen Öffentlichkeit zugänglich. Diagne ist als Beiratsmitglied für mehrere Zeitschriften wie etwa die renommierte „Présence Africaine“ tätig und Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats für den deutsch-französischen Fonds für Provenienzforschung v.a. afrikanischer Artefakte am Centre Marc Bloch in Berlin.
In seiner Zeit in Bremen fanden mit ihm folgende Veranstaltungen und Gespräche statt, die wir zum größten Teil aufgezeichnet haben und die hier dokumentiert sind:
Donnerstag, 23. Mai 2024
16-18 Uhr | GRA 2 0030
Werkstattgespräch
Souleymane Bachir Diagne im Gespräch mit Nachwuchswissenschaftler*innen im Rahmen des Kolloquiums des Graduiertenkollegs 2686 Contradiction Studies
Kein Mittschnitt verfügbar.
Donnerstag, 23. Mai 2024
18-20 Uhr | GRA 2 0030
Possibilities and Limits of a Decolonized Anthropology from the Perspective of African Philosophy
Souleymane Bachir Diagne im Gespräch mit Tyler Zoanni (U Bremen) im Rahmen der interuniversitären Ringvorlesung „Decolonizing Anthropology“
Ein Videomitschnitt dieses Gesprächs findet sich auf dem boasblog „Decolonizing Anthropology“: https://boasblogs.org/decolonizinganthropology/session-6-philosophy-anthropology-decolonization/
Donnerstag 6. Juni 2024
18-20 Uhr | Cartesium (Rotunde)
Orality in Philosophy
Panel Discussion with Souleymane Bachir Diagne and Anke Graness (U Hildesheim)
Moderation Norman Sieroka (U Bremen)
Mittwoch, 26. Juni 2024
19 Uhr | GW2 B2900
The Languages of Philosophy and the Case of African Philosophy
WoC Summer Lecture von Souleymane Bachir Diagne mit anschließendem Empfang
Mittwoch, 3. Juli 2024
18-20 Uhr | Haus der Wissenschaft
The Humanism of Translation
Öffentlicher Vortrag von Souleymane Bachir Diagne
Moderation Sabine Broeck (U Bremen)
In this interview with Souleymane Bachir Diagne by Deborah Nyangulu (RTG Contradiction Studies) they talk about the intersections of his work in the areas of history of philosophy, history of logic, the tradition of philosophy in the Islamic world, African philosophy and literature. They discuss the place of Africa and pan-africanism in a geopolitical context of a falling imperial order, strengthening the African Union and Africa’s democracy. Listen to the interview on Spotify, Deezer, or Audible.
On July 26, 2024, Deborah Nyangulu, postdoctoral researcher at the RTG Contradiction Studies, sat down with Souleymane Bachir Diagne in a video interview. Filmed at the Übersee-Museum in Bremen, the interview covers a range of topical issues from the importance of philosophers/academis to speak out against injustices, decolonizing museums, to strengthening African institutions.
Up2date, das Online-Magazin der Universität Bremen, hat mit Souleyemane Bachir Diagne ein Interview geführt und ihn gefragt, wie man scheinbar gegensätzliche Forschungsthemen miteinander verbindet und wie man sich eine Karriere in einem neuen akademischen Bereich aufbauen kann. Hier der Link zum Beitrag.