Das WOC Graduiertennetzwerk (WOC GradNet) ist Ideenwerkstatt und Ort des Austauschs für Early Career Scholars, die in verschiedenen geistes-, kultur-, sozial- und bildungswissenschaftlichen Forschungs- und Lehrbereichen zu widerspruchsaffinen Themen (inklusive Widersprechen, Widerstand und widerspruchsähnlichen Formen wie Paradoxie, Unvereinbarkeit, Antinomie usw.) forschen. Dabei richtet es sich vor allem an Doktorand*innen, die Interesse und Spaß daran haben, an selbstorganisierten Workshops, gemeinsamen Kolloquien und kreativen Formaten der Wissensproduktion und -vermittlung mitzuarbeiten. Ziel ist es, das interdisziplinäre Miteinander, Peer Mentoring und die interdisziplinär strukturierte Vernetzung und Einbettung von Forschungsvorhaben zu unterstützen. Darüber hinaus übernimmt das GradNet mit zwei gewählten Delegierten institutionelle Verantwortung in WOC.
Angenommene Doktorand*innen und Postdoktorand*innen, die zu widerspruchsaffinen Themen forschen, können einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen. Ebenso können Studierende der Universität Bremen sowie Doktorand*innen und Postdoktorand*innen anderer Universitäten einen Antrag auf assoziierte Mitgliedschaft stellen und in die Aktivitäten des WOC GradNets eingebunden werden. Bei Fragen und für weitere Informationen kontaktieren Sie die GradNet Koordinatorin Lara Herford.
The WOC Graduate Network (GradNet) is a place for exchanging Ideas and knowledge between Early Career Scholars. We are doctoral candidates doing research in the fields of Anthropology, Linguistics, Literary Criticism, Law, Media Didactics and Political as well as Religious Studies. Phenomena like paradoxes, acts of oppositions and dissent are topics we are interested in. The WOC GradNet aims to attract doctoral candidates who have fun in self-organized workshops and creative formats of knowledge production. Our goal is to foster interdisciplinary cooperation and facilitate networking. Furthermore, the WOC GradNet takes institutional responsibility by annually electing two delegates for the WOC Rat.
Doctoral Candidates accepted by the doctoral committee of the University of Bremen can apply for a membership. Additionally, doctoral candidates of other universities and students who are interested in the study of contradiction can apply for associated membership. For further questions contact the WOC GradNet Coordinator Lara Herford.
Am 29. Juni 2022 fand im Parkcafé des Kukoons in Bremen die erste Veranstaltung der Gesprächsreihe “GradNet Off Campus” statt. Für den Auftakt konnte die Politikwissenschaftlerin, Referentin und Aktivistin Felicia Ewert als Gesprächspartnerin gewonnen werden. Thema der Veranstaltung waren Widersprüche im Kontext transgeschlechtlicher Lebenserfahrung, Aktivismus und Wissenschaft. Ein besonderes Anliegen der Veranstalter*innen war es, das Thema aus einer machtkritischen und intersektionalen Perspektive zu betrachten.

Ein wichtiger Aspekt der Veranstaltung war die Interaktion zwischen Felicia Ewert und dem Publikum. So konnten die Teilnehmer*innen einerseits mündlich, aber auch schriftlich per Zettel oder online Fragen stellen. Dieses Angebot zur Interaktion wurde von den rund 70 Besucher*innen ausgiebig genutzt. Felicia Ewert kritisierte die Diskriminierung von transgeschlechtlichen Menschen durch das aktuelle Transsexuellen-Gesetz und legte dar, welche widersprüchlichen Erwartungen an Geschlechtlichkeit diesem zugrunde liegen.
Es wurde außerdem thematisiert, wie Universität und Lehre zu einem diskriminierungsfreien und inklusiveren Raum für Trans*-Personen werden können. Zum Beispiel können das Vorlesen von Namenslisten oder gut gemeinte Vorstellungsrunden in der ersten Seminarsitzung, in denen Menschen ihre Pronomen nennen, zu Zwangsoutings führen.
Ein weiterer Aspekt, welcher die Widersprüchlichkeit betrifft, war, dass angenommen werde, Diskriminierungserfahrung und Privilegien würden einander ausschließen. Felicia Ewert wies darauf hin, dass dies nicht der Fall sei. Aus einer intersektionalen Perspektive ergibt sich ein anderes Bild: weiße, cis-geschlechtliche Frauen erleben zwar Diskriminierung, jedoch ist es wichtig darauf hinzuweisen, dass sie trotzdem Privilegien besitzen, welche zum Beispiel transgeschlechtlichen und Schwarzen Frauen nicht zustehen.

Ihr Appell lautete verschiedene Formen der Diskriminierung von Frauen kritisch zu differenzieren und im feministischen Kampf um Gleichberechtigung mitzudenken.
Organisiert wurde das Event von Verena Honkomp-Wilkens, Katharina Nowak und Jonas Trochemowitz mit Unterstützung weiterer Mitglieder des WOC Graduiertennetzwerkes und zweier studentischer Mitarbeiter.
er/ihn
Geographie
PROMOTIONSPROJEKT
Eine neue Baukategorie wurde 2017 eingeführt. Die „Urbanen Gebiete“ zielen darauf ab, Mischnutzungen, kürzere Wege zu fördern und das „neue Zusammenleben in der Stadt“ zu stärken (Wolfrum 2018: 159). Gleichzeitig sind sie jedoch in ein System eingebettet, das historisch in der funktionalen Trennung verwurzelt ist (Sinder 2021).
Ihre Flexibilität, höhere Dichte und angepassten Lärmgrenzwerte (Baumgart 2019) führen zu Konflikten, die tiefere Widersprüche der deutschen Planungspraxis sichtbar machen.
Das Projekt fragt: Wie wird der strukturelle Widerspruch zwischen der funktionalen Logik des deutschen Baugebietssystems und den integrativen Zielen zeitgenössischer Planung bei der Umsetzung der Urbanen Gebiete ausgehandelt, und welche neuen Widersprüche entstehen im Verlauf ihrer Realisierung?
FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE
Lebenswerte Städte
Stadtplanung
Funktionale Ordnung
Mischnutzung
Polarisierung
PUBLIKATIONEN UND VORTRÄGE
Chatziandreou, Konstantinos & Wolfgang Haupt. 2026. Integrating cultural heritage and climate policy? Insights from UNESCO world heritage cities. European Planning Studies. 1–23.
Chatziandreou, Konstantinos. 2025. Spekulative Geographien im neuen Klimaregime Konferenz: Zoning the Future: Urbanes Gebiet as a Legal- Spatial Response to Contradiction I the Climate-Capitalist City. Abstract Book Neue Kulturgeographie. 84.
sie/ihr
Anthropologie
PROMOTIONSPROJEKT
Für meine Dissertation beschäftige ich mich mit demokratischen Praxen, Imaginationen und Infrastrukturen in Wien Wien. Dabei lege ich insbesondere den Fokus auf Alltagspraxen des ‚Urban Commoning‘, kritische intersektionale Perspektiven auf politische, räumliche, und gesellschaftliche Ein- und Ausschlussmechanismen, sowie Praxen und Emotionen des Dissenz. Ich betrachte, inwiefern Stadträume und ihre öffentlichen Plätze Ort von Aneignung und politischer Auseinandersetzung werden und welche Rolle Affekte, Körper und materielle Infrastrukturen innerhalb politischer und demokratischer Prozesse, Praxen und Konflikte spielen.
FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE
Demokratie und Staat
(Stadt-)Raum
Affekt und Emotionen
Ungleichheit
PUBLIKATIONEN UND VORTRÄGE
Feeken, Esther. 2025. Assemblages of (In)Security: Political Islam, Operation Luxor, and the Rise of Soft Authoritarian Security Governance in Austria. PoLAR: Political and Legal Anthropology Review 48(2). https://doi.org/10.1111/plar.70025
er/ihn
Rechtswissenschaft
PROMOTIONSPROJEKT
Das Projekt untersucht die Teilhaberechte von zivilgesellschaftlichen Organisationen im Welternährungsausschuss. Im Zentrum steht zum einen die Frage, welche Rechte zivilgesellschaftliche Organisationen nach dem positiven internationalen Recht innehaben. Zum anderen wird untersucht, welche Rolle die Partizipation der Zivilgesellschaft im Rahmen der demokratischen Legitimation von internationalen Organisationen zukommen sollte.
FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE
Allgemeines Völkerrecht
Das Recht internationaler Organisationen
Rechtstheorie
Das Recht der Ernährungssicherheit
sie/ihr
Philosophie
PROMOTIONSPROJEKT
In meiner Dissertation untersuche ich die möglichen Folgen von Nichtwissenszuschreibungen an soziale Gruppen. Dabei sind die feministischen Standpunkttheorien und die Critical-Race-Theory mein theoretischer Ausgangspunkt. Diese schreiben marginalisierten Gruppen epistemische Vorteile und dominanten Gruppen epistemische Begrenzungen zu. Wie genau und vor allem wie stark diese Begrenzungen zu verstehen sind, ist dennoch kontrovers. Die verschiedenen Verständnisse haben unterschiedliche politische und erkenntnistheoretische Implikationen. In meiner Dissertation untersuche ich insbesondere die Möglichkeit, dass starke Lesarten, die dem Individuum wenig Handlungsspielraum zuschreiben, eine selbsterfüllende Prophezeiung sein können und somit das Risiko bergen, dominantes Nichtwissen zu reproduzieren.
FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE
Feministische Erkenntnistheorie
Standpunkttheorien
Nichtwissen
Agency
Critical Race Theory
PUBLIKATIONEN UND VORTRÄGE
Nielsen, Olivia Maegaard. 08.2025. Suffering from (Un)Truths? Workshop at the Professorship for Epistemology & Theory of Science. Workshop: Is that so? Truth and Falsity in Feminist Epistmeologies. UCF: University of Freiburg.
Nielsen, Olivia Maegaard. 05.2025. A Social Connection Model of Speaking for Others. Conference: Kämpfe um Solidarität und Emanzipation. IfS Frankfurt/Hans Böckler Stiftung.
Nielsen, Olivia Maegaard. 12.2025. A Standpoint Kind of Knowledge. 10th SWIP Ireland Conference: Ways of Knowing: Epistemologies and Pedagogies.
Politische Theorie
PROMOTIONSPROJEKT
Mit meinem politiktheoretischen Projekt will ich untersuchen, wie kollektives Handeln durch das Streben nach Bedeutsamkeit motiviert wird. Besonders interessant finde ich das kollektive Motivationsproblem moderner Gesellschaften. Gesellschaftliche Integration scheint heute schwieriger, obwohl Bedeutsamkeit vielfältiger erstrebt werden kann. Um dieses Puzzle zu untersuchen, arbeite ich zunächst die Konzepte des Bedeutsamkeitsstrebens und kollektiven Handelns aus. Dafür konsultiere ich semiotische, psychologische, neurowissenschaftliche, motivationstheoretische, soziologische, philosophische und politologische Literatur. Im nächsten Schritt arbeite ich die Bedingungen heraus, unter denen kollektives Handeln in modernen Gesellschaften motiviert wird. Anhand von sozialtheoretischen Zeitdiagnosen und den Contradiction Studies erarbeite ich, was geschieht, wenn vielfältige Bedeutsamkeitsbestrebungen kollektiv koordiniert werden.
FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE
Kollektives Handeln
Theorie des kommunikativen Handelns
Deliberative Demokratietheorie
Politische Motivationstheorie
Bedeutungstheorien

er/ihn
s_k6hm5k@uni-bremen.de
Politikwissenschaft
PROMOTIONSPROJEKT
Ich führe eine hegemonietheoretische Diskurslanalyse des Rassemblement national durch. Die ehemals unter Front National bekannte rechtsaußen Partei Frankreichs, seit 2018 umbenannt in Rassemblement National, hat seit dem Wechsel der Parteispitze 2011 einen Wandel vollzogen, der zumindest nach außen hin bürgerlich erscheint. Doch trotz ihrer Entteufelungsstrategie, angestrengt durch die neue Vorsitzende Marine Le Pen, bleibt die Partei innerhalb rechtsextremer Strukturen verhaftet. Es drängt sich sogleich die Frage auf, wie eine Partei demokratische Prinzipien predigen kann, mit gleichbleibender fremdenfeindlicher Grundgesinnung. Der unverblümte Widerspruch, bestehend zwischen republikanischem Handeln und nationalistischem Denken, macht eine genauere Untersuchung des RN notwendig, auch um potentiell subversive demokratiegefährdende Ambitionen zu erkennen. Das Ziel meines Projektes ist es herauszufinden, mit welchen Kommunikationsstrategien die Partei arbeitet, um sich ihres rechtsextremen Erscheinungsbildes zu entledigen. Dazu bediene ich mich der Hegemonietheorie von Laclau und Mouffe, um mittels einer Diskursanalyse die Vorgehensweise des RN sichtbar zu machen.I conduct a hegemonic theoretical discourse analysis of the National Rally.
FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE
Demokratietheorie
Rechtsextremismus
Populismus
Migration
Germanistische Sprachwissenschaft / Interdisziplinäre Linguistik
PROMOTIONSPROJEKT
In meinem abgeschlossenen Promotionsprojekt habe ich mich aus einer diskurslinguistischen Perspektive mit dem Verhältnis von Queerness und christlichem Glauben befasst. Von zentralem Interesse war für mich dabei, wie Akteur*innen in diesem Diskurs mit der Zuschreibung, Querness und Christentum stünden im Widerspruch, umgehen. Im Sinne der Contradiction Studies ging es also darum, die machtregulative Funktion des Widerspruchs als Ordnungsfigur in queer-christlichen Diskurskontexten herauszuarbeiten, um so die soziale Situiertheit des Widerspruchs zu verstehen. Hierfür habe ich deutschlandweit 50 queer-christliche Gottesdienste besucht und teilnehmend beobachtet. Eine zentrale Erkenntniss der Arbeit war dabei, dass die liturgisch religiösen Praktiken im Zusammenhang mit queer-christlichen Glauben sich in den letzen Jahren stark entwickelt und diversifiziert haben.
Diskurslinguistik
Soziolinguistik
Queer- und Genderlinguistik
Semantik
Pragmatik
PUBLIKATIONEN UND VORTRÄGE
Trochemowitz, Jonas. 2024. Linguistische Diskursethnographie als Zugriff auf das Praxisfeld Queer-Gottesdienst. In Mark Dang-Anh, Hanna Acke, Silvia Bonacchi, Simon Meier-Vieracker & Ingo H. Warnke (eds.), Diskursanalyse jenseits von Big Data (Diskurs – interdisziplinär 11), 74–85. Mannheim: IDS Open.
Trochemowitz, Jonas & Lara Herford. 2024. Staged Dissent: „Change My Mind“ as a Vehicle of Instrumental Deliberation within the Identitäre Bewegung Österreich. Zeitschrift für Diskursforschung 11(2). 163–186.
Warnke, Ingo H., Anna Mattfeldt & Jonas Trochemowitz. 2024. Diskurs ist Widerspruch. Aptum. Zeitschrift für Sprachkritik und Sprachkultur 20(1). 5–12.
they/them
North American and Postcolonial Literary and Cultural Studies
PROMOTIONSPROJEKT
Due to the lack of Chicanx and Mexican queer self-representations in film, existing representations are often produced by non-queer people exploitatively and thus sanction the idea that LGBT+ people must die or suffer for the survival and prominence of heterosexual and cisgender protagonists. This popular cultural discourse within Chicanx and Mexican cinema directly affects how LGBT+ people are treated in everyday life, which is oftentimes fatal, especially when it comes to Trans BIPOC Chicanx and Mexican people. Consequently, this dissertation utilizes the multiplicitous gazes of Indigenous, Black, Xicana, and feminist ideals to analyze and theorize about new representations of Chicanx and Mexican cinema from the past decade. Unifying queer theory, third world feminism, postcolonialism, Indigenous theories and knowledges and critical race theory, I develop a new theoretical framework with which to analyze the selected filmography. From this juncture I argue that the third and fourth world queer body is the site of transgression and destabilization within Chicanx and Mexican queer cinema which de-links as well as decolonizes narratives and representations of such on screen. I explore how third and fourth world queer portrayals recreate colonial standards, how they break through these same standards and how they effect change within the cultural imaginaries of queer Mexican and Chicanx world views
FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE
Borderland & Chicanx Studie
Queer & Gender Studies
Horror & Speculative Fiction & Film
Postcolonial Theories & Concepts
Indigenous Fiction & Film
PUBLIKATIONEN UND VORTRÄGE
Blackmore, Ernie, Kerstin Knopf, Wendy Pearson & Corina Wieser-Cox (eds.). 2024. Routledge Handbook of Indigenous Film. London: Routledge.
Wieser-Cox, Corina. 2024. Transgressing the Borders of Being in Alex Rivera’s Sleep Dealer (2008). In Ernie Blackmore, Kerstin Knopf, Wendy Pearson & Corina Wieser-Cox (eds.), Routledge Handbook of Indigenous Film. London: Routledge.
Wieser-Cox, Corina. 2023. Spectacle of the Demonic Other: Transcoding Evil in American Horror Story: Apocalypse. Screen Bodies: The Journal of Embodiment, Media Arts, and Technology 8(2). 60–77.

sie/ihr
Germanistik
PROMOTIONSPROJEKT
Unter dem Arbeitstitel #Wisskomm – Diskurs-Dimensionen von Wissenschaftskommunikation in digitalen und sozialen Medien beschäftige ich mich mit Kommunikaten institutioneller Wissenschaftskommunikation (W-Kommunikate) und betrachte die Form, die Funktion und den Kontext von W-Kommunikaten in sozialen und digitalen Medien. Der These folgend, dass Wissenschaftskommunikation mit ihren Herausforderungen grundsätzlich mit Widersprüchen konfrontiert ist, werden mit Fokus darauf exemplarisch W-Kommunikate von institutionellen/organisationellen Projekten aus dem Land Bremen untersucht, um aus linguistischer Perspektive und mithilfe einer ergänzenden Feldstudie dazu beizutragen, Wege der Wissenschaftskommunikation zu beschreiben, mit Widerspruch umzugehen. Das triangulierte Vorgehen nutzt diese Verbindungen, um die genuin linguistische Perspektive zu öffnen und W-Kommunikate detailliert mit Blick auf den Umgang mit Widersprüchen (im Sinne von Gegenrede ebenso wie von Zielkonflikten) zu analysieren.
FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE
Wissenschaftskommunikationsforschung
Pragmatik
Angewandte Linguistik
Psycholinguistik
sie/ihr
Politikwissenschaft und Soziologie
FORSCHUNGSSCHWERPUNKTE
Wissenschaftssoziologie
Wissenstransfer
Transferforschung
Wissenschaftsreflexion
Dritte Mission
PUBLIKATIONEN UND VORTRÄGE
Nuske, Jessica, 2024. Between Normativity and Objectivity: Transdisciplinarity as Situated Intervention. Issues In Interdisciplinary Studies 42(1–2). 175–194.
Backhaus-Maul, Holger, Sonja Fücker, Martina Grimmig, Viktoria Kamuf, Jessica Nuske & Matthias Quent (eds.). 2024. Forschungsbasierter Wissenstransfer und gesellschaftlicher Zusammenhalt. Theorie, Empirie, Konzepte und Instrumente, Forschungsinstitut Gesellschaftlicher Zusammenhalt, Gesellschaftlicher Zusammenhalt. Frankfurt am Main: Campus.
Nuske, Jessica. 11.09.2025. Wissen, Wandel, Widersprüche: Wie gemeinsames Forschen Gesellschaft verändern kann – und wo es an Grenzen stößt. Transfer-Tages der Nachhaltigkeit 2025 der Nachhaltigkeitsallianz für angewandte Wissenschaften. Dortmund.

Germanistische Sprachwissenschaft
In meinem linguistischen Promotionsprojekt wurden sog. China-Repräsentationen im deutschen öffentlichen Raum untersucht. Unter China-Repräsentationen verstehe ich epigrammatische Aufschriften, die sich in öffentlichen urbanen Räumen in Deutschland finden und China thematisieren bzw. auf China verweisen, wozu sowohl chinesische Schriftzeichen als auch damit verbundene multilinguale und multiformale Kommunikate der Semiotic Landscape gehören. Mir ist als Chinese aufgefallen, dass viele Arten der Verwendung entsprechender Daten in Deutschland nicht in China existieren bzw. andere Bedeutungen haben als in China, womit Widersprüche/Paradoxa erkennbar werden. Im Projekt wurden zunächst China-Repräsentationen in der deutschen Semiotic Landscape induktiv im Sinne der Grounded-Theory-Methodologie gesammelt und codiert. Danach wurden diese diskurslinguistisch analysiert, sodass die Funktion/Dynamik der China-Repräsentationen aufgedeckt wurden, vor allem unter dem Aspekt von Diskursmacht.
Bi, Yingrui (2023): China-Repräsentationen in der deutschen Semiotic Landscape. Eine diskursorientierte Untersuchung. Berlin et al: Peter Lang.
Bi, Yingrui (2021): Die Hong-Kong Bar im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Hamburg. Online unter: https://www.re-mapping.eu/de/erinnerungsorte/hong-kong-bar.
Bi, Yingrui (2016): Bubble Tea in den Grenzen des Diskurses: Wie ein massenmedialer Bericht die Präsenz von Bubble-Tea-Läden in Deutschland beeinflusst. Bremen. Online unter: http://nbn-resolving.de/urn:nbn:de:gbv:46-00107854-13
Rezension: Bi, Yingrui (in print): Christine Römer: Streit um Wörter. Sprachwandel zwischen Sprachbeschreibung und Sprachkritik. In: Muttersprache. Vierteljahresschrift zur deutschen Sprache.
Rezension: Bi, Yingrui (in print): Niklas Gutjahr: Medial vermittelte und sprachlich ausgehandelte Nähe und Distanz. Eine interdisziplinäre Untersuchung digitaler Kommunikationsvorgänge. In: Muttersprache. Vierteljahresschrift zur deutschen Sprache.

sie/ihr
Rechtswissenschaft
PROMOTIONSPROJEKT
Mein Forschungsprojekt trägt den Arbeitstitel „Das Konzept des internen Schutzes in Anwendung auf afghanische Geflüchtete − Deutschland, Österreich und die Niederlande im Rechtsvergleich“. Dieses von mir untersuchte Rechtskonzept bewegt sich in einem starken Widerspruch: Es gibt klar definierte menschenrechtliche Grenzen, einen europäischen und internationalrechtlichen Rahmen – dennoch bleiben diese von den Fachgerichten häufig unbeachtet. Hier tangiert das Recht die Politik, was beispielhaft verdeutlicht, wie gerade das Migrationsrecht vom interdisziplinären Austausch lebt.
PUBLIKATIONEN UND VORTRÄGE
Gelhaar Julia, Pia Lange & Katharina Stelling (eds.). 2025. Geschlechtergerechte Stadtgestaltung – Forderungen an Recht und Verwaltungspraxis. In Sabine Berghahn & Ulrike Schultz (eds.), Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, 1–19. Hamburg: Dashöfer.
Gelhaar Julia. 2025. The countering of migration with security. Verfassungsblog. https://verfassungsblog.de/os2-migration-security/.
Gelhaar Julia. 2019. Interner Schutz? – Das Konzept in der deutschen Rechtsprechung in Anwendung auf afghanische Geflüchtete. Kritische Justiz (2). 176–192.
Mit dem WOC GradNet verbinde ich vor allem einen offenen, wertschätzenden und interdisziplinären Raum des Austauschs. Besonders prägend waren für mich die gemeinsamen Lesekreise, in denen wir selbst ausgewählte Texte intensiv diskutiert und gemeinsam erschlossen haben. Diese Gespräche haben meine eigene theoretische Arbeit nachhaltig geschärft und mir geholfen, zentrale Begriffe und Denkfiguren meiner Dissertation weiterzuentwickeln und zu präzisieren.
Darüber hinaus habe ich den bilateralen Austausch ebenso wie die Arbeit in der Gruppe als sehr unterstützend erlebt. Die Verbindung aus wissenschaftlicher Diskussion, Peer Mentoring und persönlichem Austausch hat mir das Gefühl gegeben, mit Fragen, Zweifeln und Unsicherheiten nicht allein zu sein – etwas, das im Promotionsalltag, zwischen Forschung, Lehrstuhlaufgaben und koordinierenden Tätigkeiten, von großer Bedeutung ist. Das GradNet war für mich ein Ort, an dem offen über Herausforderungen gesprochen werden konnte und an dem gegenseitige Ermutigung selbstverständlich war.

Philosophie (Promotionsfach), Musikwissenschaft
Aktuell befasse ich mich aus wissenschaftsphilosophischer Perspektive heraus mit den Grundlagen des Faches Musikwissenschaft. Im Kontext meiner entstehenden Dissertation habe ich vor allem grundlegende Begriffe und Werte ausgewählter Positionen der letzten 50 Jahre im Fokus. Der Widerspruch wird in meiner Arbeit vor allem im Zuge der Analyse diverser Musikbegriffe und zwischen wissenschaftlichen Konzeptionen relevant werden. Ebenso thematisiere ich den Widerspruch bzw. die Relevanz von Widerspruchsfreiheit in konkreten wissenschaftlichen Wertesystemen selbst. Letztlich wird auch zentral werden, inwiefern die Vereinbarkeit oder Nicht-Vereinbarkeit von Begriffen überhaupt maßgeblich für die Ausgestaltung dieser Fachdisziplin ist.

Medienpädagogik und Didaktik multimedialer Lernumgebungen
In meiner Forschung möchte ich mich mit der Performativität von Gender/Geschlechtsidentität im digitalen informellen Lern- und Bildungsraum beschäftigen. Wichtig ist es mir dabei, eine intersektionale Perspektive einzunehmen und auch die Potentiale des digitalen Raumes für einen niedrigschwelligen Zugang zu Wissen, Informationen und Bildung zu untersuchen. Meine Fragen lauten zum Beispiel: Welche Widersprüche prägen die Repräsentation von Geschlecht im informellen digitalen Lern- und Bildungsraum? Inwiefern können diese Widersprüche zur Dekonstruktion von bestehenden Geschlechterstereotypen beitragen?

sie/ihr
Philosophie
PROMOTIONSPROJEKT
Der Titel meiner Doktorarbeit lautet: „Elemente eines öffentlichen Datenökosystems – welche ethischen Leitlinien sind zu beachten?“. Mein Forschungsthema beschäftigt sich also mit Datenhandel und dessen ethischen Gefahren. Der größte Widerspruch besteht dabei zwischen der für ein Datenökosystem notwendigen Datenverarbeitung und der dadurch gefährdeten Privatsphäre von Datenquellen (wenn es sich um personenbezogene Daten handelt). Ein weiterer Widerspruch besteht zwischen algorithmischer Datenverarbeitung, die neues Wissen generieren soll, dabei aber nicht transparent ist. Wissen kann nur dann so bezeichnet werden, wenn erklärbar ist, wie dieses entstanden ist. Ohne Bewusstsein für den Widerspruch zwischen Datenverarbeitung und Privatsphäre bzw. Transparenz, wird in dem Design neuer Datenökosysteme keine Rücksicht darauf genommen und es wird kein Versuch unternommen den Widerspruch aufzulösen. Mein Ziel ist es, einen Weg zu finden von der Datenverarbeitung in Datenökosystemen zu profitieren und gleichzeitig die Privatsphäre von Datenquellen zu schützen sowie Transparenz zu ermöglichen, sodass der ursprüngliche Wiederspruch zu einem verbesserten technischen Design von Datenökosystemen führt.
PUBLIKATIONEN UND VORTRÄGE
Kempkens, Antonia. forthcoming. Zwischen Nutzen und Risiko: den Umgang mit digitalen Daten ethisch gestalten. Baden-Baden: Karl Alber.
Kempkens, Antonia. in print. The label ‚unscientific‘ – The proposal of a minimum standard for science based on the example of climate change deniers. In WOC GradNet (eds.), Wissenschaftsfreiheit im Widerspruch. Beiträge zu einer Debatte im akademischen Feld. Wiesbaden: Springer.
Kempkens, Antonia. 2025. Ethical Design of Datafication by Principles of Biomedical Ethics. In Martin Hähnel & Regina Müller (eds.), A Companion to Applied Philosophy of AI, 224–237. Hoboken: Wiley Blackwell.
Das GradNet hat mir interdisziplinären Austausch auf inhaltlicher Ebene ermöglicht, da wir uns gegenseitig Feedback zu unserer Arbeit gegeben und uns zu relevanten Texten ausgetauscht haben. Gleichzeitig hat das GradNet aber auch gegenseitige Unterstützung ermöglicht bei organisatorischen Fragen und Problemen jeglicher Art. Dazu kam noch das gemeinsame Projekt der Veröffentlichung eines Sammelbandes, bei dem ich viel gelernt habe. Der Zusammenhalt und das gegenseitige Interesse haben mir nicht nur inhaltlich bei der Fertigtellung meiner Dissertation geholfen.

Politische Theorie
Zieringer, Carolin; Leonhardt, Christian, 2020: Politik, Körper, Ironie: Rancière queer-feministisch weiterdenken, in: Mareike Gebhardt (Hg.), Staatskritik und Radikaldemokratie. Das Denken Jacques Rancières, Staatsverständnisse, Baden-Baden: Nomos, S. 171 – 187
Leonhardt, Christian, 2019: Jenseits der guten Ordnung. Theoretische Konstellationen zwischen Bakunin, Rancière und CrimethInc., in: Mathis, Klaus/Langensand, Luca (Hg.), Anarchie als herrschaftslose Ordnung?, Berlin: Duncker & Humblot, S. 95 – 119
Leonhardt, Christian, 2019: Henry David Thoreau, in: Comtesse, Dagmar/Flügel-Martinsen, Oliver/Martinsen, Franziska/Nonhoff, Martin (Hg.), Handbuch Radikale Demokratietheorie, Berlin: Suhrkamp, S. 115 – 120
Leonhardt, Christian; Nonhoff, Martin, 2019: Widerständige Differenz. Transnationale soziale Bewegungen zwischen gegenhegemonialer Institutionalisierung und nicht-integrativer Präfiguration, in: Zeitschrift für Politische Theorie, 10 (1), S. 9 – 28
Leonhardt, Christian, 2018: Reinszenierungen. Von der Szene der Plebejer zur Untersuchung des politischen Moments in gegenwärtigen Bewegungen, in: Linpinsel, Thomas/ Lim, Il-Tschung (Hg.), Jacques Rancière und die Sozialwissenschaften, Wiesbaden: Springer, S. 141 – 163
Leonhardt, Christian, 2017: Zwei Namen des Ausnahmezustandes. Giorgio Agamben und Jacques Rancière im Unvernehmen, in: Matthias Lemke (Hg.), Ausnahmezustand. Theoriegeschichte – Anwendungen – Perspektiven, Wiesbaden: Springer VS, S. 41 – 56, Link (Stand: 04.05.2017)
Leonhardt, Christian, 2017; Reviewed: Gabriel Hürlimann; 2015, Analytik der Revolte. Über agonistische Konstellationen von Macht, Freiheit und Subjekt im Anschluss an Michel Foucault., in: Zeitschrift für philosophische Literatur, 5 (1), S. 19 – 28, Link (Stand: 06.04.2018)

sie/ihr
Sozial- und Kulturanthropologie, Museologie
PROMOTIONSPROJEKT
Arbeitstitel: Dekoloniale Wissensproduktion ethnographischer Sammlungen. Museen neu denken.
Im Rahmen meines Promotionsprojekts möchte ich museale Sammlungen, die vor oder während der Kolonialzeit aus Gebieten der damaligen (deutschen) Kolonien im heutigen Pazifik (Ozeanien) nach Deutschland kamen, untersuchen. Meine Forschungsvorhaben zielt auf eine Sichtbarmachung unterschiedlicher epistemischer Praktiken ab und fragt exemplarisch, inwiefern diese verschiedenen Praktiken miteinander in häufig durch Macht und asymmetrische Wissensordnungen geprägten Beziehungen stehen und wie die differenten Praktiken und ihre Artikulation in Ausstellungsprojekten und in der Museumsarbeit innovativ und symmetrisch angemessen repräsentiert werden können. Ziel meiner Forschung ist es, anhand von einzelenen Objekten der musealen und ethnologischen Sammlungen des Linden-Museums Stuttgarts, eine vielstimmige und multiperspektivische Darstellung der Objektzirkulation, unter anderem auch im Hinblick auf das Wissen der Bevölkerung der pazifischen Inselstaaten über Europäer:innen, zu rekonstruieren. Dabei soll der Wissenstransfer vergleichend von der Vergangenheit über die Gegenwart bis in die Zukunft betrachtet werden. Die Fragestellung wird in Hinblick auf die These untersucht, dass museale Sammlungen als Wissensspeicher Einfluss auf das produzierte Wissen nehmen, untersucht.
Ich forsche im Promotionsverbund „A Doctorate in the Museum – the Local and Global Dimensions of Objects in Anthropological Museums in Baden-Württemberg Today“ (DIMA) der Universität Tübingen und des Linden-Museum Stuttgart.
PUBLIKATIONEN UND VORTRÄGE
Nowak, Katharina. 2024. Kollaborative Wissensproduktion. In R. Sahra & B. Christiane (eds.), Koloniales Erbe in Thüringen, 69–73. Deutscher Kunstverlag (DKV).
Nowak, Katharina. 2023. Colonial Entanglement, „South Sea“ Imaginations and Knowledge Production. In Claudia Andratschke, Lars Müller & Katja Lembke (eds.), Provenance Research on Collections from Colonial Contexts: Principles, Approaches, Challenges, 180–191. arthistoricum.net-ART-Books.
Nowak, Katharina. 2023. Postkoloniale Sammlungsforschung. Zur Dekolonisation von ethnographischen Sammlungen durch kollaborative Wissensproduktion. Junges Forum für Sammlungs- und Objektforschung, 43–52. Berlin: Gesellschaft für Universitätssammlungen

er/ihn
Germanistische Sprachwissenschaft / Interdisziplinäre Linguistik
PROMOTIONSPROJEKT
Frankreich ist seit Jahrzehnten Schauplatz rechtsradikaler Hegemoniekämpfe. Unter dem Einfluss der Nouvelle Droite werden rassistische, antiintellektuelle und anti-genderistische Ideologien für den Mainstream anschlussfähig. Durch neu-rechte und konservative politische Organisationen finden sie außerdem zunehmend Eingang in parlamentarische und massenmediale Diskurse. In meiner Doktorarbeit untersuche ich die sprachlich-diskursiven Praktiken, mit denen autoritäre Diskurse ins Zentrum der politischen Debatte Frankreichs befördert werden. Der Fokus liegt dabei auf der Regierungszeit Macrons, in der sich illiberale und autoritäre Diskurse häufen und normalisieren. Diskursformationen wie die Rede vom islamo-gauchisme oder wokisme markieren Momente der Übernahme radikaler, ausgrenzender Ideologien in den Regierungsdiskurs. Das wesentliche Kennzeichen der sich formierenden neuen Diskursordnung ist das ostentative Festhalten an demokratischem, universalistischem Vokabular, das jedoch zugleich umgedeutet, verwischt und ins Gegenteil verkehrt wird. Die Analyse dieser soft-autoritären Aushöhlung demokratischer Diskursordnung von innen ist sowohl Gegenwartsdiagnose als auch positionsfundierte Kritik dieser Entwicklungen.
PUBLIKATIONEN UND VORTRÄGE
Steinhauer, Hagen. 2026. Soft-autoritäre Diskurspraktiken: Anti-demokratische Normalisierung im Frankreich Macrons. Berlin/Boston: De Gruyter.
Steinhauer, Hagen. 2024. Mimicry of Marginality in Soft Authoritarian Identity Politics. Zeitschrift für Diskursforschung (2). 143–162.
Adam, Jens, Hagen Steinhauer & Shalini Randeria. 2022. Von Differenzlinien und moralischen Mehrheiten: Majoritäre Identitätspolitiken als soft-autoritäre Herrschaftspraxis. Polylog. Zeitschrift für interkulturelles Philosophieren (48). 15–39.
Das GradNet ist für mich ein Ort, an dem ich kollegiale und freundschaftliche Unterstützung in der sehr herausfordernden Promotionsphase gefunden habe. Wir haben hier nicht nur hilfreiche Workshops und spannende Publikationsprojekte zusammen durchgeführt, sondern auch gemeinsame Ausflüge und Mittagspausen gemacht. Das GradNet ist eine sehr gute Maßnahme gegen das Gefühl der Vereinzelung am Schreibtisch. 10/10 would recommend.

Rechtswissenschaft
In meiner Dissertation beschäftige ich mich aus verfassungstheoretischer Sicht mit dem Versammlungsrecht und insbesondere dem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. Dabei interessiert mich insbesondere die demokratische Begründung der Versammlungsfreiheit an der Schnittstelle zwischen Politik und Recht. Ausgangspunkt meiner Forschung ist dabei die Frage, wie neue Versammlungsphänomene, etwa Protestcamps oder digitale Zusammenkünfte, die bisher gerichtlich nicht (stringent) als grundrechtlich geschützte Versammlungen anerkannt sind, rechtlich rezipierbar sind. Hierbei beschäftige ich mich mit dem Problem, dass die Versammlungsfreiheit als für die demokratische Gesellschaft konstitutives Grundrecht gerade dann am nötigsten ist, wenn ihre Geltungsbedingungen in Frage gestellt werden. Dies ist nicht nur etwa in autoritären Nationalstaaten der Fall, sondern auch dann, wenn Räume der Öffentlichkeit sich ins Digitale und Private verlagern. Als Grundrecht, zu widersprechen und kollektiven Dissens zu artikulieren, berührt die Versammlungsfreiheit zudem die Grundparadoxien des Rechts. Einerseits obliegt die Deutungshoheit (supra-)nationalen Institutionen, den Verfassungsgerichten, andererseits enthält die Versammlungsfreiheit prägnante kollektive Autonomieaspekte, die gerichtlich auch im Selbstbestimmungsrecht der Versammlung anerkannt sind. Ob Versammlungsphänomene über das Recht auf Selbstkonstituierung hinaus auch eigenkonstitutionelle, rechtlich rezipierbare Entwicklungen zeigen, die eine Anerkennung im Recht zeitigen, ist ein Schwerpunkt meiner Forschung.
Corona-Leugner marschieren – Wie Behörden und Gerichte in Kassel die Gefahr verharmlosen, in: Recht gegen Rechts: Report 2022, Fischer 2022, i.E., S. 31 ff.
Recht gegen Rechts: Report 2022, Fischer 2022 (Herausgeber, mit Austermann u.a.), i.E.
Invisibilising Nature. Procedural Limits and Possibilities to Environmental Litigation in German Law (mit Elena Ewering), VRÜ, 54 (2021) 3, S. 376 ff.
Der Querfront auf den Leim gegangen – Warum Versammlungsverbote nicht gegen die „Querdenken“-Bewegung helfen (mit Andreas Gutmann), KJ 2021, S. 85 ff.
Verquere Schuldzuweisungen: Die Versammlungsfreiheit in Sachsen nach #le0711 (mit Andreas Gutmann), Verfassungsblog, 13.11.2020, abrufbar unter: https://verfassungsblog.de/verquere-schuldzuweisungen/
Rassistische Beamt*innen – Und wie der Staat sie wieder loswird (mit Nils Kohlmeier), in: Recht gegen Rechts: Report 2020, Fischer 2020, S. 181 ff.
N-Wort im Landtag – Greifswalder Verfassungsgericht billigt rassistische Pöbeleien, in: Recht gegen Rechts: Report 2020, Fischer 2020, S. 165 ff.
Unheimlich unpolitisch – Warum die derzeitige Ausbildung furchtbare Jurist*innen fördert, in: Recht gegen Rechts: Report 2020, Fischer 2020, S. 63 ff.
Recht gegen Rechts: Report 2020, Fischer 2020 (Herausgeber, mit Austermann u.a.)
§ 5 VersammlG (mit Sebastian Eickenjäger und Hanna Haerkötter), § 15 VersFG SH (mit Hanna Haerkötter), § 20 VersFG SH (mit Elena Ewering) in: Ridder/Breitbach/Deiseroth u.a. (Hrsg.), Kommentar Versammlungsrecht, Nomos 2020
Wird der Bremer Polizei nun auf die Finger geschaut? Anmerkungen zum Bremer Polizeigesetz (Teil 2) (mit Catharina Pia Conrad, Julia Gelhaar, Andreas Gutmann und Gianna M. Schlichte), Verfassungsblog, 16.7.2020, abrufbar unter: https://verfassungsblog.de/wird-der-bremer-polizei-nun-auf-die-finger-geschaut/
Gegen den Verschärfungsstrom? Anmerkungen zum Bremer Polizeigesetz (Teil 1) (mit Catharina Pia Conrad, Julia Gelhaar, Andreas Gutmann und Gianna M. Schlichte), Verfassungsblog, 14.7.2020, abrufbar unter: https://verfassungsblog.de/gegen-den-verschaerfungsstrom/
Rubrik: Rechte Ab-Gründe (mit Nele Austermann, Andreas Fischer-Lescano, Julia Gelhaar), in: Kritische Justiz 1/2020, S. 114–134.

Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts), Literaturtheorie
In meinem Projekt geht es um Figur der Anthropophagie, deren kulturelle Semantiken anhand ihres sowohl realen als auch symbolischen Erscheinens in ausgewählten literarischen und anthropologischen Texten rekonstruiert werden. Die Figur transportiert auf unterschiedliche Weisen inter- und transkulturelle Erfahrungen, Fremdverstehen sowie literarische Exotismen oder ihre Dekonstruktion. Im Spannungsfeld zwischen Ethnologie und Literatur, zwischen Eigenem und Fremden, zwischen Metapher und Anti-Metapher werden die einem Verständnis von Kannibalismus inhärenten Widersprüche aufgezeigt und analysiert.
Schiffbruchallegorien: Sinnbilder eines Lebenszustands. In: Arnd Beise/Michael Hofmann (Hgg.) Peter Weiss Jahrbuch. Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert, Band 30, St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag 2021 (In Vorbereitung).
Die vertraute Fremdheit der Anthropophagie: Franzobels Floß der Medusa (2017). In: Wolfgang Lukas/Martin Nies (Hgg.): Das anthropologische Wissen der Literatur: Identität & Fremdheit 2021 (In Vorbereitung).
Der Hunger, zu sehen. Kannibalistische Einverleibung in Franzobels Das Floß der Medusa (2017). In: Lehnert, Nils/Meinen, Iris (Hgg.): Öffnung – Schließung – Übertritte. Körperbilder in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Bielefeld 2021, S. 225-240.
„Mich zu verlieren / Bin ich da“. Über Selbstverlust und Welterfahrung in der Moderne, Bericht zur Tagung am DFG-Graduiertenkolleg 1608 „Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung“ vom 9.-11. Mai 2019 in H-Soz-Kult: 30.08.2019, www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8416
Jenseits von Mond und Magen. Herrndorfs Diesseits des Van-Allen- Gürtels (2007) oder eine Kannibalismus-Poetik. In: Matthias Lorenz (Hg.): „Germanistenscheiß“. Beiträge zur Werkpolitik Wolfgang Herrndorfs, Berlin 2018, S. 303-322.
Deviante Dickhäuter. Vier Geschichten vom Begehren, den Elefanten zu ’sehen‘. In: Frank Jacob, Theresia Raum (Hgg.): Mit Pauken und Trompeten. Elefanten in der Geschichte. Darmstadt 2017 (gemeinsam mit Steffen Kreißl, Lisa Margowski, Paul Luka Reinke und Alexander Wagner), S. 185-214.
Appetit auf Afrika – stereotype Bedeutungszuschreibung am Beispiel von Chakalaka und Joe’s Beerhouse. In: Kellermeier-Rehbein, Birte, Matthias Schulz und Doris Stolberg (Hg.): Sprache und (Post)Kolonialismus. Linguistische und interdisziplinäre Aspekte. Berlin/München/Boston 2018, S. 265-279.
Schenken als soziale Praxis – Perspektiven auf zeremonielle Tauschhandlungen im Kontext von Eheschließungen in Sambia. In: Kreienbaum u.a. (Hgg.) Sambia – 72 Volksgruppen bilden einen Staat. Einblicke in eine postkoloniale Gesellschaft. Leverkusen 2016, S. 35-60.