WoC GradNet

Interdisziplinär - Kooperativ - Kreativ

Das WoC Graduiertennetzwerk (WoC GradNet) ist Ideenwerkstatt und Ort des Austauschs für Early Career Scholars, die in verschiedenen geistes-, kultur-, sozial- und bildungswissenschaftlichen Forschungs- und Lehrbereichen zu widerspruchsaffinen Themen (inklusive Widersprechen, Widerstand und widerspruchsähnlichen Formen wie Paradoxie, Unvereinbarkeit, Antinomie usw.) forschen. Dabei richtet es sich vor allem an Doktorand*innen, die Interesse und Spaß daran haben, an selbstorganisierten Workshops, gemeinsamen Kolloquien und kreativen Formaten der Wissensproduktion und -vermittlung mitzuarbeiten. Ziel ist es, das interdisziplinäre Miteinander, Peer Mentoring und die interdisziplinär strukturierte Vernetzung und Einbettung von Forschungsvorhaben zu unterstützen. Darüber hinaus übernimmt das GradNet mit zwei gewählten Sprecher*innen institutionelle Verantwortung in WoC.

Angenommene Doktorand*innen sowie Doktorand*innen und Postdoktorand*innen, die als wissenschaftliche Mitarbeiter*innen auf Universitäts- oder Drittmittelstellen an der Universität Bremen arbeiten und die zu widerspruchsaffinen Themen forschen, können sich beim Koordinator des WoC Graduiertennetzwerkes informieren und einen Antrag auf Mitgliedschaft stellen.

Jonas Trochemowitz, MA E-Mail
Coordinator WoC Graduate-Network (GradNet)

Mitglieder

Jan Schulze Buschoff (Fachbereich 08)

Politikwissenschaft

Promotionsprojekt

Die ehemals unter Front National bekannte rechtsaußen Partei Frankreichs, seit 2018 umbenannt in Rassemblement National, hat seit dem Wechsel der Parteispitze 2011 einen Wandel vollzogen, der zumindest nach außen hin bürgerlich erscheint. Doch trotz ihrer Entteufelungsstrategie, angestrengt durch die neue Vorsitzende Marine Le Pen, bleibt die Partei innerhalb rechtsextremer Strukturen verhaftet. Es drängt sich sogleich die Frage auf, wie eine Partei demokratische Prinzipien predigen kann, mit gleichbleibender fremdenfeindlicher Grundgesinnung. Der unverblümte Widerspruch, bestehend zwischen republikanischem Handeln und nationalistischem Denken, macht eine genauere Untersuchung des RN notwendig, auch um potentiell subversive demokratiegefährdende Ambitionen zu erkennen. Das Ziel meines Projektes ist es herauszufinden, mit welchen Kommunikationsstrategien die Partei arbeitet, um sich ihres rechtsextremen Erscheinungsbildes zu entledigen. Dazu bediene ich mich der Hegemonietheorie von Laclau und Mouffe, um mittels einer Diskursanalyse die Vorgehensweise des RN sichtbar zu machen.

Julia Gelhaar (Fachbereich 06)

Rechtswissenschaft

Promotionsprojekt

Mein Forschungsprojekt trägt den Arbeitstitel „Das Konzept des internen Schutzes in Anwendung auf afghanische Geflüchtete − Deutschland, Österreich und die Niederlande im Rechtsvergleich“. Dieses von mir untersuchte Rechtskonzept bewegt sich in einem starken Widerspruch: Es gibt klar definierte menschenrechtliche Grenzen, einen europäischen und internationalrechtlichen Rahmen – dennoch bleiben diese von den Fachgerichten häufig unbeachtet. Hier tangiert das Recht die Politik, was beispielhaft verdeutlicht, wie gerade das Migrationsrecht vom interdisziplinären Austausch lebt.

Publikationen

Im Namen der Neutralitätspflicht – Brandenburg entlässt Lehrer mit rechten Tattoos, in: Austermann et al. (Hrsg.), Recht gegen rechts Report 2022, Frankfurt a. M. 2022, i.E.

Mit Sicherheit gegen Migration, Verfassungsblog, 15.11.2021, abrufbar unter: https://verfassungsblog.de/os2-mit-sicherheit/

Rubrik: Rechte Ab-Gründe, in: Kritische Justiz 3/2021, S. 377–381.

Hitlergruß im Klassenzimmer – Staatsanwaltschaft Halle sieht keinen Grund zum Handeln, in: Austermann et al. (Hrsg.), Recht gegen rechts: Report 2020, Frankfurt a. M. 2020, S. 199–205.

Rubrik: Rechte Ab-Gründe (mit Anika Grotjohann, Andreas Gutmann und Fatou Sillah), in: Kritische Justiz 3/2020, S. 387–392.

Wird der Bremer Polizei nun auf die Finger geschaut? Anmerkungen zum Bremer Polizeigesetz (Teil 2) (mit Catharina Pia Conrad, Andreas Gutmann, Gianna M. Schlichte und Tore Vetter), Verfassungsblog, 16.7.2020, abrufbar unter: https://verfassungsblog.de/wird-der-bremer-polizei-nun-auf-die-finger-geschaut/

Gegen den Verschärfungsstrom? Anmerkungen zum Bremer Polizeigesetz (Teil 1) (mit Catharina Pia Conrad, Andreas Gutmann, Gianna M. Schlichte und Tore Vetter), Verfassungsblog, 14.7.2020, abrufbar unter: https://verfassungsblog.de/gegen-den-verschaerfungsstrom/

Rubrik: Rechte Ab-Gründe (mit Florian Nustede), in: Kritische Justiz 2/2020, S. 270–274.

Der ‚unangepasste‘ Prof. Dr. Zaun24 (mit Andreas Fischer-Lescano), in: myops 39/2020, S. 20–25.

Rubrik: Rechte Ab-Gründe (mit Nele Austermann, Andreas Fischer-Lescano, Tore Vetter), in: Kritische Justiz 1/2020, S. 114–134.

Gutachten im Auftrag der Linksfraktionen von Berlin und Hamburg: Soziale Rechte für Menschen ohne Papiere – Zulässigkeit der Einführung einer city-ID in Stadt-Staaten (zusammen mit Helene Heuser, Nele Austermann), Januar 2020, abrufbar unter: https://www.jura.uni-hamburg.de/lehrprojekte/law-clinics/refugee-law-clinic/forschungsprojekt-staedte-der-zuflucht/rechtsgutachten-cityid.pdf

Interner Schutz? – Das Konzept in der deutschen Rechtsprechung in Anwendung auf afghanische Geflüchtete, in: Kritische Justiz 2/2019, S. 176–192.

Die Praxis der Alterseinschätzung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen, in: Kritische Justiz 2/2018, S. 179–192.

Catherine Herbin (Fachbereich 09)

Philosophie (Promotionsfach), Musikwissenschaft

Promotionsprojekt

Aktuell befasse ich mich aus wissenschaftsphilosophischer Perspektive heraus mit den Grundlagen des Faches Musikwissenschaft. Im Kontext meiner entstehenden Dissertation habe ich vor allem grundlegende Begriffe und Werte ausgewählter Positionen der letzten 50 Jahre im Fokus. Der Widerspruch wird in meiner Arbeit vor allem im Zuge der Analyse diverser Musikbegriffe und zwischen wissenschaftlichen Konzeptionen relevant werden. Ebenso thematisiere ich den Widerspruch bzw. die Relevanz von Widerspruchsfreiheit in konkreten wissenschaftlichen Wertesystemen selbst. Letztlich wird auch zentral werden, inwiefern die Vereinbarkeit oder Nicht-Vereinbarkeit von Begriffen überhaupt maßgeblich für die Ausgestaltung dieser Fachdisziplin ist.

Verena Honkomp-Wilkens (Fachbereich 12)

Medienpädagogik und Didaktik multimedialer Lernumgebungen

Promotionsprojekt

In meiner Forschung möchte ich mich mit der Performativität von Gender/Geschlechtsidentität im digitalen informellen Lern- und Bildungsraum beschäftigen. Wichtig ist es mir dabei, eine intersektionale Perspektive einzunehmen und auch die Potentiale des digitalen Raumes für einen niedrigschwelligen Zugang zu Wissen, Informationen und Bildung zu untersuchen. Meine Fragen lauten zum Beispiel: Welche Widersprüche prägen die Repräsentation von Geschlecht im informellen digitalen Lern- und Bildungsraum? Inwiefern können diese Widersprüche zur Dekonstruktion von bestehenden Geschlechterstereotypen beitragen?

Christian Leonhardt (Fachbereich 08)

Politische Theorie

Promotionsprojekt

Eine der aktuellsten Debatten in der Politischen Theorie dreht sich um den Versuch, Demokratie vom Unbestimmbaren, Unregierbaren des Politischen her neu zu denken. Dabei wird auf Figurationen zurückgegriffen, die ich als Verdichtungen theoretischer Überlegungen begreife, welche die Form von abstrakten Figuren, literarischen Verweisen oder von Erzählungen historischer bzw. gegenwärtiger Ereignisse annehmen. Figurationen tauchen jedoch nicht nur in der akademischen Theorieproduktion auf, sondern auch in theoretischen Reflexionen sozialer Bewegungen. Meine These ist, dass akademische wie aktivistische Figurationen auf Erscheinungsweisen, Bedingungen und Möglichkeiten des Politischen in gegenwärtigen Verhältnissen verweisen. Ziel des Promotionsprojektes ist es daher, diese Figurationen herauszuarbeiten, zusammenzufassen und in Beziehung zu setzen.

Publikationen

Zieringer, Carolin; Leonhardt, Christian, 2020: Politik, Körper, Ironie: Rancière queer-feministisch weiterdenken, in: Mareike Gebhardt (Hg.), Staatskritik und Radikaldemokratie. Das Denken Jacques Rancières, Staatsverständnisse, Baden-Baden: Nomos, S. 171 – 187

Leonhardt, Christian, 2019: Jenseits der guten Ordnung. Theoretische Konstellationen zwischen Bakunin, Rancière und CrimethInc., in: Mathis, Klaus/Langensand, Luca (Hg.), Anarchie als herrschaftslose Ordnung?, Berlin: Duncker & Humblot, S. 95 – 119

Leonhardt, Christian, 2019: Henry David Thoreau, in: Comtesse, Dagmar/Flügel-Martinsen, Oliver/Martinsen, Franziska/Nonhoff, Martin (Hg.), Handbuch Radikale Demokratietheorie, Berlin: Suhrkamp, S. 115 – 120

Leonhardt, Christian; Nonhoff, Martin, 2019: Widerständige Differenz. Transnationale soziale Bewegungen zwischen gegenhegemonialer Institutionalisierung und nicht-integrativer Präfiguration, in: Zeitschrift für Politische Theorie, 10 (1), S. 9 – 28

Leonhardt, Christian, 2018: Reinszenierungen. Von der Szene der Plebejer zur Untersuchung des politischen Moments in gegenwärtigen Bewegungen, in: Linpinsel, Thomas/ Lim, Il-Tschung (Hg.), Jacques Rancière und die Sozialwissenschaften, Wiesbaden: Springer, S. 141 – 163

Leonhardt, Christian, 2017: Zwei Namen des Ausnahmezustandes. Giorgio Agamben und Jacques Rancière im Unvernehmen, in: Matthias Lemke (Hg.), Ausnahmezustand. Theoriegeschichte – Anwendungen – Perspektiven, Wiesbaden: Springer VS, S. 41 – 56, Link (Stand: 04.05.2017)

Leonhardt, Christian, 2017; Reviewed: Gabriel Hürlimann; 2015, Analytik der Revolte. Über agonistische Konstellationen von Macht, Freiheit und Subjekt im Anschluss an Michel Foucault., in: Zeitschrift für philosophische Literatur, 5 (1), S. 19 – 28, Link (Stand: 06.04.2018)

Rosa Luetge (Fachbereich 09)

Katharina Nowak (Fachbereich 09)

Sprecherin GradNet

Sozial- und Kulturanthropologie, Museologie

Promotionsprojekt

Arbeitstitel: Wie lassen sich ethnologische Sammlungen dekolonisieren? Zur Wissensproduktion ethnographischer, postkolonialer und geschichtswissenschaftlicher Ansätze.

Im Zentrum meiner Forschung steht ein ethnografisch-museales Konvolut, das während der Kolonialzeit aus dem Gebiet der damaligen deutschen Kolonie im heutigen Papua-Neuguinea (PNG) in die Erfurter Sammlung kam. Der Sammler war der Erfurter Jurist Wilhelm Knappe. Die Dekolonisation der Objekte erfolgt im Hinblick auf ihre Materialität, ihre vormuseale Funktion, globalen Verflechtungen, ihre Besitzer*innen sowie ethische und politische Aspekte (Restitution). Ich interessiere mich für unterschiedliche epistemische Praktiken, durch die Wissen im Umgang mit diesen Objekten produziert wird – sowohl in den historischen und gegenwärtigen Kontexten und Alltagskulturen, aus denen sie ursprünglich stammen, als auch in Bezug auf die Praktiken von Sammler*innen und Händler*innen, Kurator*innen und Wissenschaft-ler*innen, die diese Objekte aus ihren alltäglichen oder rituellen Kontexten (manchmal unter Einsatz von Gewalt und unter Ausnutzung von Macht) herauslösten, sie mobilisierten, nach Deutschland verfrachteten und im Kontext von Museen verkauften, lagerten, beforschten, kuratierten und bis heute kuratieren. Wie werden und wurden diese Objekte bewusst und vergessen, konzipiert und klassifiziert, hergestellt und benutzt, entwendet oder getauscht, er-forscht und ausgestellt? Das möchte ich multiperspektivisch erforschen. Dafür verwende einen breiten, komparativen Wissensbegriff im Sinne Fredrik Barths, welcher nicht ausschließlich akademisch produziertes Wissen miteinbezieht, sondern jegliches Wissen, das Menschen nutzen, um die Welt zu interpretieren und in ihr zu handeln – models of and models for, wie es bei Clifford Geertz heißt. Objekte können für unterschiedliche Akteur*innen differente Bedeutungen haben.

Publikationen

Grimme, Gese; Nowak, Katharina (2022) [in Vorbereitung]: The Emergence of New Contact Zones? Ethnographic Museums, Corona and the Digital Age. In: Zeitschrift für Ethnologie – Special Issue.

Bartels, Hannah; Burda, Ina Tanita; Eggart, Claudia; Nowak, Katharina; Wiederkehr, Sara (2022) [in Vorbereitung]: „Is the connection ok?“ Five reflections about ‘building rapport’ online in times of a Pandemic. In: Zeitschrift für Ethnologie – Special Issue.

Nowak, Katharina (2020): Digitale und digitalisierte Daten und die Rekonstruktion von Wissen. Beitrag zur Herbstakademie „Fieldwork meets Crisis“ der DGSKA, online abrufbar: https://boas-blogs.org/fieldworkmeetscrisis/digitale-und-digitalisierte-daten-und-die-rekonstruktion-von-wis-sen/

Nowak, Katharina (2019): The American Dream – Nur ein Traum? Repräsentation des ‚Anderen‘ in der Ausstellung „Amerika“ des Übersee-Museums in Bremen. In: Studien zur Materiellen Kultur. Band 32. Oldenburg: Institut für Materielle Kultur, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Achterberg et al. (2018): Zwischen zwei Welten. Menschen mit und ohne Behinderungen erzählen. In: Studien zur Materiellen Kultur. Band 28. Oldenburg: Institut für Materielle Kultur, Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.

Jendrik Nuske (Fachbereich 08)

Politische Theorie

Promotionsprojekt

Mit meinem politiktheoretischen Projekt will ich untersuchen, wie kollektives Handeln jenseits des Versprechens individueller Selbsterhaltung und Bedürfnisbefriedigung motiviert wird. Besonders interessant ist dabei, dass religiöse und metaphysische Weltbilder in dieser Hinsicht effektiver scheinen, als sogenanntes postmetaphysisches Denken. Um diesen Unterschied zu erklären, werden psychologische Werke hinzugezogen, welche die Zuschreibung von und Suche nach Bedeutung als motivationale Faktoren individuellen Handelns behandeln. Ein Fokus wird dabei der Vermittlung bzw. Steuerung gelten, welche intersubjektive Kommunikation zwischen individueller Bedeutungssuche und kollektiver Bedeutungszuschreibung vollzieht. So soll insbesondere auch erklärt werden, wie Widersprüche – sowohl zwischen Individuen in Kollektiven, als auch in ihrem Räsonieren – per Bedeutung überbrückt werden.

Hagen Steinhauer (Fachbereich 10)

Germanistische Sprachwissenschaft / Interdisziplinäre Linguistik

Promotionsprojekt

Ich bin seit 2019 Mitglieder der Forschungsgruppe „Soft Authoritarianisms“, in welcher wir unter der Leitung von U Bremen Excellence Chair Shalini Randeria einem zunächst paradox erscheinenden aber global immer häufiger auftretenden Phänomen nachgehen: Der Aushöhlung der Demokratie mit demokratischen Mitteln. Unser Begriff des sanften Autoritarismus betont dabei die Gleichzeitigkeit von demokratischem Verfahren und illiberalen, autoritären, national-identitären und oft rassistischen Diskursen, die zur internen Spaltung der Wählerschaft entlang ethnischer, religiöser und ideologischer Linien genutzt werden. Die resultierende Polarisierung verbunden mit anti-demokratischen aber oftmals legalen Mitteln der Minderheitendiskriminierung geht mit Angriffen auf die Wissenschaftsfreiheit und der diskursiven Delegitimierung von Kritik einher. Am Beispiel von Frankreich untersuche ich, wie ein solcher national-identitärer Autoritarismus mit sprachlich-diskursiven Mitteln normalisiert wird und so die Öffentlichkeit und sogar die Regierungsrhetorik und -politik prägt.

Publikationen

Beiträge in Sammelbänden:

Steinhauer, Hagen. 2020. Widerstand oder Anpassung? Widersprüchliche Bewertungen der Frankfurter Zeitung im NS-Pressediskurs. Kämper, Heidrun & Ingo H. Warnke: Diskurs ‑ethisch. Bremen: Hempen, 57–72.

Dreesen, Philipp & Hagen Steinhauer. 2018. Presseanweisungen und Resistenzakte aus diskurspragmatischer Perspektive. Die Frankfurter Zeitung im Nationalsozialismus. Kämper, Heidrun & Britt-Marie Schuster: Sprachliche Sozialgeschichte des Nationalsozialismus. Bremen: Hempen, 217–244.

Rezensionen:

Steinhauer, Hagen. 2021. Roth, Kersten Sven/Wengeler, Martin/Ziem, Alexander (eds.) (2017): Handbuch Sprache in Politik und Gesellschaft (Handbücher Sprachwissen 19). Berlin/Boston: De Gruyter. 611 S. Sociolinguistica 35 (1), 288–291.

Steinhauer, Hagen. 2016. Mathias, Alexa (2015): Metaphern zur Dehumanisierung von Feindbildern. Eine korpuslinguistische Untersuchung zum Sprachgebrauch in rechtsextremen Musikszenen. In: Osnabrücker Beiträge zur Sprachtheorie 89, 237-241.

Tagungsberichte:

Steinhauer, Hagen & Jessica Weidenhöffer. 2017. Nachwuchssymposium des Tagungsnetzwerks Diskurs – Interdisziplinär. Zeitschrift für Diskursforschung, 5 (1), 97-105.

Jonas Trochemowitz (Fachbereich 10)

Sprecher GradNet

Germanistische Sprachwissenschaft

Promotionsprojekt

Als Diskurslinguist interessiere ich mich dafür, wie soziale Wirklichkeit, Macht und Positionen durch diskursive Praktiken sprachlich konstituiert werden. Im Rahmen meiner Forschung beschäftige ich mich mit gesellschaftlichen Konflikten und dem Streit um die Deutungshoheit von Widersprüchen. Wo werden Widersprüche durch welche sprachlichen Praktiken sichtbar gemacht, wo bleiben sie unsichtbar und aus welchen sozialen Positionen wird bestimmt, was im Diskurs als Widerspruch anzuerkennen ist? Mein Fokus liegt dabei auf der Analyse von Gender- und Sexualitätsdiskursen mit einem Interesse dafür, wie die Konstruktion und Dekonstruktion heteronormativen Wissens mit der Deklaration von Widersprüchen zusammenhängen.

Tore Vetter (Fachbereich 06)

Rechtswissenschaft

Promotionsprojekt

In meiner Dissertation beschäftige ich mich aus verfassungstheoretischer Sicht mit dem Versammlungsrecht und insbesondere dem Grundrecht auf Versammlungsfreiheit. Dabei interessiert mich insbesondere die demokratische Begründung der Versammlungsfreiheit an der Schnittstelle zwischen Politik und Recht. Ausgangspunkt meiner Forschung ist dabei die Frage, wie neue Versammlungsphänomene, etwa Protestcamps oder digitale Zusammenkünfte, die bisher gerichtlich nicht (stringent) als grundrechtlich geschützte Versammlungen anerkannt sind, rechtlich rezipierbar sind. Hierbei beschäftige ich mich mit dem Problem, dass die Versammlungsfreiheit als für die demokratische Gesellschaft konstitutives Grundrecht gerade dann am nötigsten ist, wenn ihre Geltungsbedingungen in Frage gestellt werden. Dies ist nicht nur etwa in autoritären Nationalstaaten der Fall, sondern auch dann, wenn Räume der Öffentlichkeit sich ins Digitale und Private verlagern. Als Grundrecht, zu widersprechen und kollektiven Dissens zu artikulieren, berührt die Versammlungsfreiheit zudem die Grundparadoxien des Rechts. Einerseits obliegt die Deutungshoheit (supra-)nationalen Institutionen, den Verfassungsgerichten, andererseits enthält die Versammlungsfreiheit prägnante kollektive Autonomieaspekte, die gerichtlich auch im Selbstbestimmungsrecht der Versammlung anerkannt sind. Ob Versammlungsphänomene über das Recht auf Selbstkonstituierung hinaus auch eigenkonstitutionelle, rechtlich rezipierbare Entwicklungen zeigen, die eine Anerkennung im Recht zeitigen, ist ein Schwerpunkt meiner Forschung.

Publikationen

Corona-Leugner marschieren – Wie Behörden und Gerichte in Kassel die Gefahr verharmlosen, in: Recht gegen Rechts: Report 2022, Fischer 2022, i.E., S. 31 ff.

Recht gegen Rechts: Report 2022, Fischer 2022 (Herausgeber, mit Austermann u.a.), i.E.

Invisibilising Nature. Procedural Limits and Possibilities to Environmental Litigation in German Law (mit Elena Ewering), VRÜ, 54 (2021) 3, S. 376 ff.

Der Querfront auf den Leim gegangen – Warum Versammlungsverbote nicht gegen die „Querdenken“-Bewegung helfen (mit Andreas Gutmann), KJ 2021, S. 85 ff.

Verquere Schuldzuweisungen: Die Versammlungsfreiheit in Sachsen nach #le0711 (mit Andreas Gutmann), Verfassungsblog, 13.11.2020, abrufbar unter: https://verfassungsblog.de/verquere-schuldzuweisungen/

Rassistische Beamt*innen – Und wie der Staat sie wieder loswird (mit Nils Kohlmeier), in: Recht gegen Rechts: Report 2020, Fischer 2020, S. 181 ff.

N-Wort im Landtag – Greifswalder Verfassungsgericht billigt rassistische Pöbeleien, in: Recht gegen Rechts: Report 2020, Fischer 2020, S. 165 ff.

Unheimlich unpolitisch – Warum die derzeitige Ausbildung furchtbare Jurist*innen fördert, in: Recht gegen Rechts: Report 2020, Fischer 2020, S. 63 ff.

Recht gegen Rechts: Report 2020, Fischer 2020 (Herausgeber, mit Austermann u.a.)

§ 5 VersammlG (mit Sebastian Eickenjäger und Hanna Haerkötter), § 15 VersFG SH (mit Hanna Haerkötter), § 20 VersFG SH (mit Elena Ewering) in: Ridder/Breitbach/Deiseroth u.a. (Hrsg.), Kommentar Versammlungsrecht, Nomos 2020

Wird der Bremer Polizei nun auf die Finger geschaut? Anmerkungen zum Bremer Polizeigesetz (Teil 2) (mit Catharina Pia Conrad, Julia Gelhaar, Andreas Gutmann und Gianna M. Schlichte), Verfassungsblog, 16.7.2020, abrufbar unter: https://verfassungsblog.de/wird-der-bremer-polizei-nun-auf-die-finger-geschaut/

Gegen den Verschärfungsstrom? Anmerkungen zum Bremer Polizeigesetz (Teil 1) (mit Catharina Pia Conrad, Julia Gelhaar, Andreas Gutmann und Gianna M. Schlichte), Verfassungsblog, 14.7.2020, abrufbar unter: https://verfassungsblog.de/gegen-den-verschaerfungsstrom/

Rubrik: Rechte Ab-Gründe (mit Nele Austermann, Andreas Fischer-Lescano, Julia Gelhaar), in: Kritische Justiz 1/2020, S. 114–134.

Donata Weinbach (Fachbereich 10)

Neuere deutsche Literaturwissenschaft (Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts), Literaturtheorie

Promotionsprojekt

In meinem Projekt geht es um Figur der Anthropophagie, deren kulturelle Semantiken anhand ihres sowohl realen als auch symbolischen Erscheinens in ausgewählten literarischen und anthropologischen Texten rekonstruiert werden. Die Figur transportiert auf unterschiedliche Weisen inter- und transkulturelle Erfahrungen, Fremdverstehen sowie literarische Exotismen oder ihre Dekonstruktion. Im Spannungsfeld zwischen Ethnologie und Literatur, zwischen Eigenem und Fremden, zwischen Metapher und Anti-Metapher werden die einem Verständnis von Kannibalismus inhärenten Widersprüche aufgezeigt und analysiert.

Publikationen

Schiffbruchallegorien: Sinnbilder eines Lebenszustands. In: Arnd Beise/Michael Hofmann (Hgg.) Peter Weiss Jahrbuch. Literatur, Kunst und Politik im 20. und 21. Jahrhundert, Band 30, St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag 2021 (In Vorbereitung).

Die vertraute Fremdheit der Anthropophagie: Franzobels Floß der Medusa (2017). In: Wolfgang Lukas/Martin Nies (Hgg.): Das anthropologische Wissen der Literatur: Identität & Fremdheit 2021 (In Vorbereitung).

Der Hunger, zu sehen. Kannibalistische Einverleibung in Franzobels Das Floß der Medusa (2017). In: Lehnert, Nils/Meinen, Iris (Hgg.): Öffnung – Schließung – Übertritte. Körperbilder in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur, Bielefeld 2021, S. 225-240.

„Mich zu verlieren / Bin ich da“. Über Selbstverlust und Welterfahrung in der Moderne, Bericht zur Tagung am DFG-Graduiertenkolleg 1608 „Selbst-Bildungen. Praktiken der Subjektivierung“ vom 9.-11. Mai 2019 in H-Soz-Kult: 30.08.2019, www.hsozkult.de/conferencereport/id/tagungsberichte-8416.

Jenseits von Mond und Magen. Herrndorfs Diesseits des Van-Allen- Gürtels (2007) oder eine Kannibalismus-Poetik. In: Matthias Lorenz (Hg.): „Germanistenscheiß“. Beiträge zur Werkpolitik Wolfgang Herrndorfs, Berlin 2018, S. 303-322.

Deviante Dickhäuter. Vier Geschichten vom Begehren, den Elefanten zu ’sehen‘. In: Frank Jacob, Theresia Raum (Hgg.): Mit Pauken und Trompeten. Elefanten in der Geschichte. Darmstadt 2017 (gemeinsam mit Steffen Kreißl, Lisa Margowski, Paul Luka Reinke und Alexander Wagner), S. 185-214.

Appetit auf Afrika – stereotype Bedeutungszuschreibung am Beispiel von Chakalaka und Joe’s Beerhouse. In: Kellermeier-Rehbein, Birte, Matthias Schulz und Doris Stolberg (Hg.): Sprache und (Post)Kolonialismus. Linguistische und interdisziplinäre Aspekte. Berlin/München/Boston 2018, S. 265-279.

Schenken als soziale Praxis – Perspektiven auf zeremonielle Tauschhandlungen im Kontext von Eheschließungen in Sambia. In: Kreienbaum u.a. (Hgg.) Sambia – 72 Volksgruppen bilden einen Staat. Einblicke in eine postkoloniale Gesellschaft. Leverkusen 2016, S. 35-60.

Yingrui Bi (Fachbereich 10)

Germanistische Sprachwissenschaft

Promotionsprojekt

In meinem linguistischen Promotionsprojekt werden sog. China-Repräsentationen im deutschen öffentlichen Raum untersucht. Unter China-Repräsentationen verstehe ich epigrammatische Aufschriften, die sich in öffentlichen urbanen Räumen in Deutschland finden und China thematisieren bzw. auf China verweisen, wozu sowohl chinesische Schriftzeichen als auch damit verbundene multilinguale und multiformale Kommunikate der Semiotic Landscape gehören. Mir ist als Chinese aufgefallen, dass viele Arten der Verwendung entsprechender Daten in Deutschland nicht in China existieren bzw. andere Bedeutungen haben als in China, womit Widersprüche/Paradoxa erkennbar werden. Im geplanten Projekt werden zunächst China-Repräsentationen in der deutschen Semiotic Landscape induktiv im Sinne der Grounded-Theory-Methodologie gesammelt und codiert. Danach werden diese diskurslinguistisch analysiert, sodass die Funktion/Dynamik der China-Repräsentationen aufgedeckt werden, vor allem unter dem Aspekt von Diskursmacht.