2026

November

Ringvorlesung | WOC Lab Violence, Age, and Gender

Jonas Barth & René Böhme (Bremen): Gewalt im Kontext der Erwerbsarbeit

I.

Legitime & illegitime Gewalt in der stationären Altenpflege

In seinem Vortrag geht Jonas Barth auf die Rolle von Gewalt in der stationären Pflege von Menschen mit Demenz ein. Er stellt Forschungsergebnisse einer ethnografischen Studie vor, die zum Ziel hatten, Interaktionsbeziehungen zwischen Pflegekräften und pflegebedürftigen Menschen mit Demenz daraufhin zu untersuchen, was unter Gewalt verstanden und wie zwischen legitimer und illegitimer Gewalt unterschieden wird. Insofern Gewalt immer mit der Verhandlung normativer Fragen verbunden ist, soll auf diesem Wege ein Versatzstück der normativen Ordnung in der Pflege rekonstruiert werden. Dabei zeigt er, dass die Möglichkeiten, Gewalt auszuüben und Gewalt zu erleiden, in der stationären Pflege von Menschen mit Demenz unterschiedlich verteilt sind und dies nicht auf körperliche Restriktionen, sondern auf institutionalisierte Bedeutungsmuster zurückgeführt werden kann, die interaktiv reproduziert, aber bisweilen auch gebrochen werden.

Dr. Jonas Barth forscht als Soziologe am SOCIUM des FB 8 der Universität Bremen. Er wurde mit einer Arbeit zur genannten Thematik in Oldenburg 2022 promoviert, hat 2023 als Postdoc an der TU Chemnitz gearbeitet, hat 2023-24 eine Professur für sozialwissenschaftliche Theorie an der Uni Oldenburg vertreten und ist seit WS 2024/25 Lecturer für qualitative Methoden an der Universität Bremen. Der Forscher arbeitet zu Fragen der Gewalt- und Techniksoziologie mit Fokus auf Genese, Persistenz und Wandel von Normen, zu qualitativen Methoden und soziologischen Theorien. Einschlägige neuere Publikationen: Staatliche Ordnung und Gewaltforschung (2023); Verletzbarkeit und Gewalt in der Pflege von Menschen mit Demenz: Wie die Fähigkeit zur Gewalt und die Wahrscheinlichkeit, sie zu erleiden, sozial verteilt wird (2025).

II. 

Arbeitsausbeutung als Gewalt? Ein Kontinuum von Prekarität, Rechtsverletzung und Zwang

Wo endet prekäre Arbeit – und wo beginnt Arbeitsausbeutung? Und ab wann lässt sich dabei von Gewalt sprechen? Der Vortrag nimmt schwere Arbeitsausbeutung in Deutschland als einen weitgehend unsichtbaren Bereich der Arbeitswelt in den Blick. Ausgangspunkt sind empirische Befunde aus einer bundesweiten Befragung von Beratungsstellen für Betroffene von Arbeitsausbeutung. Sie zeigen ein breites Spektrum problematischer Arbeitsverhältnisse: von nicht gezahlten oder zu niedrigen Löhnen, unbezahlter Mehrarbeit und fehlender sozialer Absicherung über Verstöße gegen Arbeitszeit- und Arbeitsschutzbestimmungen, irreführende Vertragskonstruktionen und ausbeuterische Wohnverhältnisse bis hin zu Einschüchterung, Bedrohung und Zwang.

Der Vortrag fragt nach den Mechanismen, die solche Beschäftigungsverhältnisse ermöglichen und stabilisieren. Im Mittelpunkt stehen Defizite bei der Durchsetzung bestehender Rechte und der staatlichen Kontrolle, migrationsbedingte Abhängigkeiten sowie Lücken im Hilfesystem. Diese Faktoren wirken zusammen und können dazu führen, dass formell bestehende Arbeits- und Sozialrechte für Betroffene faktisch kaum durchsetzbar sind. Arbeitsausbeutung wird damit zugleich zum Ausgangspunkt für eine grundsätzlichere Diskussion über Gewalt in der Arbeitswelt: Reicht ein auf unmittelbaren körperlichen Zwang und Bedrohung konzentrierter Gewaltbegriff aus? Oder müssen auch strukturelle Bedingungen berücksichtigt werden, die Menschen in Abhängigkeit halten, ihre Handlungsmöglichkeiten einschränken und die systematische Verletzung ihrer Rechte ermöglichen?

Dr. René Böhme ist Sozialwissenschaftler am Institut Arbeit und Wirtschaft (iaw) der Universität und Arbeitnehmerkammer Bremen. Seine Forschungsschwerpunkte liegen in den Bereichen soziale Ungleichheit, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik sowie Migration. In mehreren Forschungsprojekten hat er sich mit prekärer Beschäftigung und schwerer Arbeitsausbeutung beschäftigt. Im Mittelpunkt seiner aktuellen Arbeiten stehen insbesondere die Strukturen und Wirkmechanismen, durch die Arbeitsausbeutung in Deutschland ermöglicht und stabilisiert wird.

Die Veranstaltung ist Teil der Ringvorlesung Gewaltfrei arbeiten und leben? im Wintersemester 2026/27.

Workshop | WOC Lab Radikale Zukünfte & Kommission Europäisierung/Globalisierung: Ethnografien des Politischen der Deutsche Gesellschaft für empirische Kulturwissenschaft (DGEKW), Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft, (IfEK), Bremer Institut für Kulturforschung (bik)

KI und die Gefährdung des Politischen | AI and the Threats to the Political

+++ English version below +++

Workshop und Treffen der Kommission Europäisierung/Globalisierung: Ethnografien des Politischen der Deutsche Gesellschaft für empirische Kulturwissenschaft (DGEKW) in Kooperation mit dem Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft (IfEK), dem Bremer Institut für Kulturforschung (bik) und dem WOC Lab Radical Futures an der Universität Bremen.

Öffentliche Keynote: Alberto Toscano (Vancouver): Capitalizing on Apocalypse

Künstliche Intelligenz dringt zunehmend in unsere Alltage ein. Dabei erleben wir eine umfassende „KI-sierung“ auch politischer Öffentlichkeiten und Institutionen. KI ist in den Daten- und Energiehunger der Tech-Industrie eingebunden und verflechtet sich dort teilweise mit rechts-autoritären Politiken. Im Zentrum gesellschaftlicher, journalistischer und akademischer Debatten über die weitreichenden und oft schwer greifbaren Folgen steht vor allem die Frage, wie Generative KI (Large Language Models (LLMs) wie ChatGPT etc.) soziale und politische Ordnungen kontinuierlich verändert: etwa in den Bereichen Bildung, Vielfalt und Gerechtigkeit, Umwelt und Nachhaltigkeit, städtische und ländliche Lebensräume, Popkultur und Soziale Medien sowie in zentralen Staats- und Sicherheitsapparaten wie Verwaltung, Polizei, Militär, Gefängnissen und Grenzregimen. Durch ihre Gestaltung, voreingenommene Datensätze und extraktive Logiken reproduzieren KI-Systeme dabei bestehende koloniale, rassistische und heteropatriarchale Machtkonstellationen auf paternalistische Weise. Besonders brisant erweist sich die KI-sierung in den aktuellen Debatten um die Gefährdungen demokratischer Prozesse und Zukünfte. Hinzu kommen weltweit und auch hierzulande Verschiebungen in und Angriffe auf rechtsstaatliche Strukturen, politische Grundrechte und Diskursräume, die zunehmend unter dem Begriff der Faschisierung verhandelt werden. Gefährdungen entstehen gerade dann, wenn Entscheidungen, Streitigkeiten und die Bearbeitung von Widersprüchen an KI delegiert werden und KI-Systeme in die „Nervenzentren der Faschisierung“ (Toscano) eindringen – also in jene Institutionen und Räume, in denen autoritäre Repression und Gewalt ausgeübt und normalisiert werden.

Vor diesem Hintergrund laden wir zu einem Austausch über die Auswirkungen der KI-sierung auf das Politische ein. Gemeinsam wollen wir Herausforderungen und Fragen diskutieren, die sich aus diesen Entwicklungen für die Empirische Kulturwissenschaft, Politische Anthropologie und Politikwissenschaft, Science and Technology Studies (STS), Gender Studies, Contradiction Studies, Medien– und Umweltethnologie sowie die Public Anthropology ergeben.

Format
Diese Veranstaltung ist ein Workshop. Statt klassischer wissenschaftlicher Vorträge, liegt der Fokus auf gemeinsamem Arbeiten und Diskutieren rund um die zuvor beschriebenen Themen und Fragestellungen. Workshop-Teilnehmer*innen halten keinen eigenen Vortrag. Im Vorfeld wird eine Leseliste zirkuliert. Eine Podiumsdiskussion ist mit Aktivist*innen und engagierten Wissenschaftler*innen geplant. Alberto Toscano hält eine Keynote am Abend des 12. November 2026.
Die Veranstaltung findet zweisprachig statt (Deutsch/Englisch).

Zielgruppe
Wir laden Kolleg*innen und Interessierte* aller Statusgruppen ein, sich um die Teilnahme am Workshop zu bewerben, unabhängig davon, ob sie bereits zu KI und KI-sierung forschen.

Anmeldung
Da die Teilnehmendenzahl begrenzt ist, bitten wir um eine Anmeldung mit einer kurzen Interessensbekundung (max. 300 Wörter). Zur Anmeldung geht es hier: https://forms.gle/R1SerF3TJKFw5Dro8

Reise- und Übernachtungskosten
Eine Übernahme von Reise- und Übernachtungskosten ist nicht vorgesehen. Personen in prekären Beschäftigungs- und Lebensverhältnissen können sich jedoch bei Bedarf gerne an uns wenden, um mögliche alternative Unterstützungsoptionen zu prüfen.

Organisation
Martina Grimmig, Nurhak Polat, Mihir Sharma, Ehler Voss (Universität Bremen) in Kooperation mit den Sprecherinnen der DGEKW-Kommission Alexandra Schwell (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt), Britta Acksel (Wuppertal Institut für Klima, Umwelt, Energie), Dženeta Hodžić (ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung) und Alice von Bieberstein (Humboldt Universität zu Berlin)

Finanzierung
International Office & Worlds of Contraduction (WOC) | University of Bremen

Kontakt
Bei Fragen zum Workshop bitte Prof. Dr. Nurhak Polat kontaktieren: npolat@uni-bremen.de
Für Angelegenheiten der Kommission „Ethnografien des Politischen“: Dr. Britta Acksel (britta.acksel@wupperinst.org) und Prof. Dr. Alexandra Schwell (alexandra.schwell@aau.at)

Deadline für die Anmeldung ist der 24.08.2026.

 

+++English version +++

Workshop and Commission Meeting of the DGEKW Commission on Europeanization/Globalization: Ethnographies of the Political, in cooperation with the Institute of Anthropology and Cultural Research, bik e. V. – Bremer Institute of Cultural Research and the WOC Lab Radical Futures of the collaborative research platform Worlds of Contradiction (WOC) at the University of Bremen.

Public Keynote: Alberto Toscano (Vancouver): Capitalizing on Apocalypse

Artificial intelligence is increasingly permeating our everyday lives. In the process, we are witnessing a comprehensive „AI-sation“ of political publics and institutions. AI is embedded in the data and energy demands of the tech industry and, in part, intertwined with right-authoritarian politics. At the center of societal, journalistic, and academic debates about the far-reaching and often difficult-to-grasp consequences stands the question of how Generative AI (Large Language Models such as ChatGPT, etc.) continuously transforms social and political orders: for instance in education, diversity and justice, environment and sustainability, urban and rural living spaces, pop culture and social media, as well as in central state and security apparatuses such as administration, police, military, prisons, and border regimes.

Through their biased datasets, and extractive logics, AI systems reproduce existing colonial, racist, and heteropartriarchal power constellations in a paternalistic manner. Particularly pressing is the role of AI-sation in current debates about threats to democratic processes and futures. Worldwide – and also in Germany – we are witnessing shifts and attacks on the rule of law, fundamental political rights and public discourse, increasingly discussed under the term fascistization. Threats emerge precisely when decisions, disputes, and the handling of contradictions are delegated to AI, and when AI systems infiltrate the “nerve centers of fascistization” (Toscano) – that is, institutions and spaces where authoritarian repression and violence are exercised and normalized.

Against this backdrop, we invite you to join a collaborative conversation on the impacts of AI-sation on the political. Together, we aim to explore the challenges and questions arising for Empirical Cultural Studies, Political Anthropology, Political Science, Science and Technology Studies (STS), Gender Studies, Media and Environmental Anthropology, and Public Anthropology.

Format
This is a workshop – with a keynote lecture of Alberto Toscano on the evening of November 12, 2026. A panel discussion is planned with activists and engaged scholars.
Rather than traditional academic lectures or presentations, the focus lies on collaborative thinking and discussion around the themes and questions outlined above. Participants will not deliver individual talks. A reading list will be circulated in advance.
The event will be held bilingually, in German and English.

Target Audience
We welcome colleagues and interested individuals of all status groups (including students) to apply, regardless of prior research experience with AI or AI-sation.

Registration
Due to limited capacity, we ask for registration with a brief statement of interest (max. 300 words) explaining what draws you to the topic.
Please register here: https://forms.gle/R1SerF3TJKFw5Dro8

Travel and accommodation
Travel and accommodation costs cannot be covered. However, individuals in precarious employment or living situations are welcome to contact us to explore possible alternative support options.

Organization
Martina Grimmig, Nurhak Polat, Mihir Sharma, Ehler Voss (University of Bremen). In cooperation with Alexandra Schwell (Alpen-Adria-Universität Klagenfurt), Britta Acksel (Wuppertal Institute for Climate, Environment and Energy), Dženeta Hodžić (ISOE – Institute for Social-Ecological Research), and Alice von Bieberstein (Humboldt University of Berlin).

Funding
International Office & Worlds of Contradiction (WOC) | University of Bremen

Contact
For questions concerning the workshop please contact: Prof. Dr. Nurhak Polat, npolat@uni-bremen.de
For matters concerning the Commission on Ethnographies of the Political: Dr. Britta Acksel (Britta.acksel@wupperinst.org) or Prof. Dr. Alexandra Schwell (Alexandra.schwell@aau.at)

Deadline for all applications: August 24, 2026

WOC intern

WOC Mitgliederversammlung

Eine Einladung erfolgt zwei Wochen vor der Sitzung.

Podiumsdiskussion | WOC Agora #15 | WOC Lab Radikale Zukünfte

KI-Resistenz? Über Widerstände gegen die Gefährdung des Politischen durch Künstliche Intelligenz

Künstliche Intelligenz wird als Zukunftstechnologie gefeiert und zugleich als Gefahr inszeniert. Im Rahmen des Workshops „KI und Gefährdung des Politischen” bringt diese öffentliche Podiumsdiskussion Stimmen aus Wissenschaft und Aktivismus zusammen und nimmt die durch Spekulationen über Superintelligenz in den Hintergrund geratenen unmittelbaren Folgen und Schäden der KI-Industrie für Demokratie, Wissenschaft und Umwelt in den Blick. Nach Inputs der Podiumsteilnehmer*innen laden wir dazu ein, gemeinsam Formen von Verweigerung, Widerstand und Zukunftsentwürfen zu erkunden – ob mit, gegen oder jenseits von KI.

Teilnehmer*innen:

Dr. Guido Arnold arbeitet am Duisburger Institut für Sprach- und Sozialforschung an den Themen algorithmisch verstärkte Polarisierung, Tech-Oligarchie und digitalisierte Biopolitik. Er engagiert sich an der Schnittstelle zwischen Forschung, Technologiekritik und Aktivismus und ist Mitgründer des çapulcu-Kollektivs.

Jürgen Geuter (bekannt auch als tante) ist unabhängiger Forscher, Autor, Soziotechnologe, Aktivist und arbeitet als Research Director in ART+COM in Berlin an der Erforschung, Implementierung und Erprobung neuer Technologien. Er ist Gründungsmitglied des transdisziplinären Otherwise Network (ownw.de), welches Expert*innen unterschiedlicher Fachbereiche zur Begleitung des digitalen Wandels vernetzt.

Dr. Bijayani Mishra ist Assistenzprofessorin für Soziologie am Maitreyi College der Universität Delhi. Sie forscht in den Bereichen Umweltsoziologie, Geschlecht, indigene Studien und soziale Bewegungen. Aktuell befasst sie sich mit dekolonialen Perspektiven auf künstliche Intelligenz sowie mit deren Schnittstellen zu indigenen Wissenssystemen.

Jo Tiffe ist Industriedesignerin und Medienkünstlerin. Seit 2019 setzt sie sich mit künstlerischen Mitteln kritisch mit dem Thema KI auseinander. Ihre Arbeiten wurden u.a. auf der re:publica und dem Chaos Computer Congress gezeigt. Parallel kuratiert sie Ausstellungen. Ihr Fokus ist kritische Medienkunst.

Moderation:

Nurhak Polat & Ehler Voss WOC Lab Radikale Zukünfte

Diese öffentliche Podiumsdiskussion ist Teil des Workshops KI und die Gefährdung des Politischen, gefördert durch das International Office und Worlds of Contradiction (WOC).

Lecture | WOC Labs Lecture Series #9 | WOC Lab Radikale Zukünfte & Kommission Europäisierung/Globalisierung: Ethnografien des Politischen der Deutsche Gesellschaft für empirische Kulturwissenschaft (DGEKW), Institut für Ethnologie und Kulturwissenschaft, (IfEK), Bremer Institut für Kulturforschung (bik)

Alberto Toscano (Vancouver): Capitalizing on Apocalypse

Recent months have seen global public opinion profoundly agitated by declarations originating in the “AI” industry that the technologies it is developing pose an existential risk for the species. These declarations are hardly new, but they now accompany an acceleration in the highly financialized buildout of the infrastructure of what the US state has now dubbed and promoted as “superintelligence,” as well as a surge in popular discontent with and resistance to that infrastructure, namely in the guise of mobilisations against hyperscale data centres. This talk will explore the limits of apocalyptic discourse, including in its critical and oppositional forms, and try to reorient the debate towards a classic theme of Marxist theory that now demands new conceptualisation and novel analyses, namely “fascism and big business.” Can we anchor the speculatively anti-human and supremacist discourses of Big Tech in capitalist strategies that are now fundamentally altering the nexus of state and capital and intersecting with geopolitical turbulence, war and genocide? And how does the increasing primacy of fixed capital in Big Tech’s expansionist drive change the political calculus and what oppositional affordances does it carry?

Alberto Toscano is philosopher, social theorist, and one of the most distinct intellectual voices of our time. He is the author of Late Fascism: Race, Capitalism and the Politics of Crisis (Verso; translated into German as Spätfaschismus by Unrast Verlag) and Terms of Disorder: Keywords for an Interregnum (Seagull; translated into German as Interegnum by Unrast Verlag). He has taught at Goldsmiths, University of London, and Simon Fraser University, Canada, and will be International Chair of Contemporary Philosophy at Université Paris 8 in 2027. He is a columnist for In These Times and recently published a selection of essays on Alain Badiou and Toni Negri called „Communism in Philosophy“ (Haymarket Books). His work has significantly shaped the debates on far-right authoritarianism and fascism, as well as their more recent techno-political forms.

Moderation: Nurhak Polat (Department of Anthropology and Cultural Research & WOC Lab Radical Futures | U Bremen)

This public keynote is part of the workshop AI and the Threats to the Political, funded by the International Office and Worlds of Contradiction (WOC).

Podiumsdiskussion | WOC Lab Radikale Zukünfte in Kooperation mit Profs gegen Rechts, Institut für Philosophie und Theater Bremen

Der Rechtsruck und seine Folgen

Mit dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt erleben wir in Deutschland eine Zäsur. Die AfD droht an Regierungsmacht zu gelangen und die Brandmauer wird immer dünner. Diese Zäsur reiht sich ein in eine weitreichendere politische Entwicklung zunehmender Autoritarisierung und des Sozialabbaus. Demokratieförderenden Projekten aus Zivilgesellschaft, Wissenschaft und politischer Bildung werden die Mittel entzogen. Die Versuche einer links geführten Regierungsbildung in Berlin sehen sich einer massiven Gegenkampagne ausgesetzt.

Mobilisierungen gegen Rechts und Aufrufe zum Schutz der Demokratie konnten diese Entwicklung bislang nicht aufhalten. Sie betrifft uns alle, bedeutet jedoch für unseren Alltag und unser politisches Handeln unterschiedliches. Darüber wollen wir gemeinsam mit euch und unseren Gästen ins Gespräch kommen: Wie nehmen wir die aktuellen Entwicklungen war? Was sind die Folgen für die Räume in denen wir leben und politisch handeln? Wie gehen wir mit diesen Erfahrungen und Folgen gegenwärtig um?

Offenes Gespräch mit Gästen:

Ulrike Flader (WOC Lab Radikale Zukünfte & Watch-Group Autoritarismus, Uni Bremen)
Lotta Kampmann (Recherche Nord)
Martin Nonhoff (WOC Lab Radikale Zukünfte & Profs gegen Rechts, Uni Bremen)
Till Wörner (Jugendhaus TRAFO Weyhe)

16.11.2026 | 19:30–21:00 | Einlass 19:00
Eintritt frei.

Adresse: Theater Bremen, Goetheplatz 1-3, 28203 Bremen

Die Veranstaltung findet im Rahmen der Aktionswoche “Wissenschaft gegen Faschismus”  statt und ist eine Kooperation des WOC Labs Radikale Zukünfte mit Profs gegen Rechts und dem Institut für Philosophie an der Universität Bremen und dem Theater Bremen.

Panel Discussion | WOC Agora #16 | WOC Lab Polar Englishes – Circumpolar Minds

Language, Culture, Circumpolar Minds. Understanding Arctic Communities from Within

How is the Arctic conceptualised, and by whom? Researchers from the circumpolar North discuss how language, culture and cognition shape the way a rapidly changing region is perceived and lived in.

Participants (alphabetical)
Prof. Dr. Shanley Allen | RPTU Kaiserslautern-Landau
Assoc. Prof. Dr. Naja Blytmann Trondhjem | University of Copenhagen
Assoc. Prof. Dr. Dania Bonness | Western Norway University of Applied Sciences
Dr. Nora Diehl | University of Bremen
Assoc. Prof. Dr. Åse Mette Johansen | UiT The Arctic University of Norway
Franziska Kleine, M.A. | University of Bremen
Prof. Dr. Mikko Laitinen | University of Eastern Finland
Dr. Roza Laptander | University of Lapland
Prof. Dr. Arne Peters | University of Bremen
Assoc. Prof. Dr. Carina Ren | Aalborg University
Prof. Dr. Michael Rießler | University of Eastern Finland
Prof. Dr. Hilde Sollid | UiT The Arctic University of Norway

Date, time and room
18 November 2026, 10:00 to 12:00
CART Rotunde 0.67

Ringvorlesung | WOC Lab Violence, Age, and Gender

Thorsten Fehr & Sylke Meyerhuber (Bremen): Gewalt in der digitalen Transformation

I. 

Digitale Gewalt, das Gewaltgedächtnis und soziale Vergiftung

In diesem Vortrag geht es um einige aktive und passive Formen der Gewalt im digitalen Wirkraum auf unterschiedlichen gesellschaftlichen und kontextuellen Ebenen. Es werden Grundbegriffe der Suchtentwicklung und neurophysiologischer Effekte eingeführt und auf die Nutzung digitaler Werkzeuge bezogen diskutiert. Zunehmende inhaltliche, psychische, neuronale und letztlich körperliche digitale Abhängigkeit führt zu adversen Effekten in zahlreichen persönlichen und gesellschaftlichen Bereichen. Mögliche Wege aus diesem Dilemma werden vorgeschlagen und diskutiert.

Prof. Dr. Thorsten Fehr forscht und lehrt als Neurowissenschaftler und Psychologe am Institut für Psychologie im Fachbereich 11 der Universität Bremen. Seine inhaltlichen Schwerpunkte bewegen sich im Bereich der Gewalt- und Entscheidungsforschung sowie im Bereich der Erforschung neuronaler Dynamiken bei komplexen Denk- und Entwicklungsprozessen. Methodische Schwerpunkte liegen im Bereich der Anwendung und der Weiterentwicklung von fMRT- und EEG-Anwendung und fortgeschrittenen Auswertungsmethoden.

II.

Gewaltformationen im Internet und realweltliche Folgewirkungen

Die digitale Transformation brachte seit den 1960er Jahren das Internet hervor – zunächst ein Mittel zur Kommunikation über weite Entfernungen, dann als Möglichkeit selbstbestimmten Lernens und Kommunizierens, inzwischen jedoch in vieler Hinsicht auch Quelle von Manipulation, Fehlinformation, Herabwürdigung und Gewalt. Digitale vermittelte Gewalt kommt heute vielfältig und teilweise verschleiert vor, sie muss dann dechiffriert werden. Dies reicht von Cybermobbing, Body-Shaming, Häme, Stalking sowie Identity-Theft und Doxxing im Netz und in der sogenannten Manosphäre – d.h. Pickup-Artists, Men’s Rights Activists, INCELS, Right-Wing Activists, usw. –  bis hin zu explizit gewalttätigen, in der Regel zugleich sexualisierten Foren wie Group 764, K.O-Tropfen life-online Vergewaltigungen, Pädophile und Pornographie. Mit KI-Tools addieren Fake Nude Apps und Fake Nude Animationen eine neuere Dimension. Während sexualisierte und sexuelle Gewalt jenseits von häuslicher Gewalt vor dem Internet als Einzeltäter-Phänomen sowie in spezifischen Milieus zu finden waren, erfährt sie mit dem Internet  nicht nur eine Verbreitung, sondern es entstehen auch bisher undenkbare Formen von Gewalt und vernetzt vormals einzeln handelnde Täter. Der Vortrag thematisiert entsprechende Dynamiken und weist auf einen Zuwachs an bisher randständigen Psychopathologien hin, welche, einmal ausgebildet, klinisch als nahezu unheilbar gelten. Die hieraus erwachsenden gesellschaftlichen und interaktionellen Problemlagen werden im Austausch vertiefend reflektiert.

Dr. phil. Sylke Meyerhuber ist Sozial- und Arbeitspsychologin und Wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Bremen. Sie forscht und publiziert im artec Forschungszentrum Nachhaltigkeit am Institut für Technik und Bildung (ITB) über soziale Nachhaltigkeit und lehrt am Institut für Soziologie (FB8) zu Aspekten sozial nachhaltigen Handelns im gesellschaftlichen Wandel. In den letzten Jahren widmet sie sich in ihrem laufenden Projekt „Identität im Wandel“ unter anderem der Frage, ob und wie unter den sich entfaltenden Bedingungen der digitalen Transformation sozial nachhaltiges Handeln denkbar und möglich ist.

Die Veranstaltung ist Teil der Ringvorlesung Gewaltfrei arbeiten und leben? im Wintersemester 2026/27. 

Roundtable | WOC Lab Radikale Zukünfte in Kooperation mit dem Instituto Cervantes Bremen

KI zwischen Enthusiasmus und Verweigerung. Über Gegenwart und radikale Zukünfte künstlicher Intelligenz

Die Nutzung von künstlicher Intelligenz ist ebenso wie die Rede über diese Nutzung allgegenwärtig und prägt zunehmend unser aller Alltag. Die Einschätzungen der Möglichkeiten, Grenzen und Gefahren künstlicher Intelligenz variieren dabei stark und führen entsprechend zu unterschiedlichen Zukunftsszenarien, bei denen sich die Utopien der einen als die Dystopien der anderen erweisen.

In dieser Gesprächsrunde widmen wir uns der zwischen Hoffnung, Sorge und Widerstand diskutierten Frage nach den mit Künstlicher Intelligenz verbundenen Gegenwarten und Zukünften aus drei unterschiedlichen, aber miteinander verwobenen Perspektiven aus Kunst und Wissenschaft: Der Künstler Pablo Somonte Ruano (Economic Space Agency, Mexiko-Stadt / Bremen) präsentiert die Nutzung künstlicher Intelligenz in seiner Arbeit, die Philosophin Lorena Jaume-Palasí (The Ethical Tech Society) zeigt die katastrophalen Auswirkungen der benötigten Infrastrukturen vor dem Hintergrund kapitalistischer Produktionsweisen auf, und die Anthropologin Nurhak Polat (WOC Lab Radikale Zukünfte an der Universität Bremen) verortet KI-Verweigerung in diesem Kontext und diskutiert die als wachsende Protestbewegung gegen künstliche Intelligenz als Ausdruck eines breiten Unbehagens und Kritik an techno-politischen Machtstrukturen und Zukunftsvisionen.

Moderation: Ehler Voss | Worlds of Contradiction (WOC), Universität Bremen

Diese Veranstaltung ist eine Kooperation des Instituto Cervantes Bremen mit der Forschungsplattform Worlds of Contradiction (WOC) an der Universität Bremen.

WOC GradNet Lesekreis | UNIVERSITÄT MACHT WISSEN #2

Koloniales Archiv & kritische Fabulation / Colonial Archive & Critical Fabulation (EN)

Wissenschaft prägt Gesellschaft und gesellschaftliche Verhältnisse prägen akademische Wissensproduktion: An Universitäten wird nicht nur neues Wissen erschlossen, sondern es werden auch Zugänge zu diesem Wissen ermöglicht, reguliert und verstellt. Widersprüche, die im Spannungsverhältnis von Universität, Macht und Wissen entstehen, lassen sich zwar selten auflösen, aber meist kritisch bearbeiten. Dieses kritische Potential nehmen wir zum Anlass, um gemeinsam akademische und literarische Texte (10-25 Seiten) rund um das Thema Wissensproduktion und Herrschaftskritik zu lesen. Der Fokus liegt auf intersektionalen Verschränkungen zwischen Klassenzugehörigkeit, Gender, Race, Disability und Neurodivergenz.
Der Lesekreis ist eine Kooperationsveranstaltung des WOC GradNet, des GRK 2686: Contradiction Studies sowie plan m – Mentoring in Science und richtet sich insbesondere an FLINTA*-Promovend*innen und -Postdocs der Universität Bremen. Wir besprechen die Texte in Deutsch und Englisch. Um Anmeldung unter lekreis@uni-bremen.de wird gebeten, die Lektüren werden vorab per E-Mail verschickt.

Lektüre:
Hartman, Saidiya. 2008. Venus in two acts. Small Axe 12(2). 1–14.

December

Ringvorlesung | WOC Lab Violence, Age, and Gender

Susanna Roßbach (Hamburg) & Ewa Kaminska-Visser (Osnabrück): Strukturelle Gewalt gegen Frauen & weiblich gelesene Personen

I. 

Konstruktion von Geschlecht im und durch das Recht

Geschlecht ist eine komplexe Materie. Neben dem Körper spielt insbesondere eine Rolle, welches „tief empfundene innere und persönliche Gefühl der Zugehörigkeit“ – so die Definition der Yogyakarta-Prinzipien – eine Person zu einem Geschlecht hat. Mit anderen Worten: Welches Geschlecht eine Person hat, weiß nur sie selbst. In interdisziplinärer Geschlechterforschung ist dieser mehrdimensionale Geschlechtsbegriff anerkannt und auch das deutsche Bundesverfassungsgericht geht von einem solchen Geschlechtsverständnis aus.

Dennoch muss jedes in Deutschland geborene Kind einen Geschlechtseintrag im Geburtenregister bekommen. Da ein Neugeborenes schlechthin nicht nach seiner geschlechtlichen Identität gefragt werden kann, richtet sich der Eintrag allein nach dem Körper des Kindes. Der Geschlechtseintrag im Geburtenregister ist mithin immer eine Fremdzuschreibung. Dies macht Fehlzuordnungen möglich, wenn der Eintrag und die geschlechtliche Identität auseinanderfallen. Seit den 1980er-Jahren erkennt das Bundesverfassungsgericht an, dass jeder Mensch das Recht hat, die eigene geschlechtliche Identität zu finden und von anderen in ihr anerkannt zu werden. Dieses Recht war bis 2024 im sogenannten Transsexuellengesetz umgesetzt, das ein langwieriges, teures und diskriminierungs­anfälliges Verfahren zur Korrektur des Geschlechtseintrags vorsah. Seit Inkrafttreten des Selbstbestimmungsgesetzes im November 2024 ist es nun möglich, den Geschlechtseintrag durch eine einfache Erklärung beim Standesamt zu korrigieren und die Vornamen zu ändern.

Im Rahmen des Vortrags soll das Dilemma der obligatorischen Registrierung des Geschlechts jedes Kindes nach der Geburt vor dem Hintergrund dieser Rechtsentwicklung nachvollzogen werden. Daneben soll es darum gehen, ob das Selbstbestimmungsgesetz seiner eigenen Zielsetzung gerecht wird, die Geschlechtszuordnung und die Vornamenswahl von der Einschätzung dritter Personen zu lösen und die Selbstbestimmung der betroffenen Person zu stärken. Dazu schauen wir insbesondere auf die – teils paternalistischen – Voraussetzungen des neuen Gesetzes, insbesondere aber auch auf die Fortsetzung der Fremdzuschreibung nach der Geburt, an der das Selbstbestimmungsgesetz nichts geändert hat.

Dr. Susanna Roßbach ist promovierte Rechtswissenschaftlerin. Nach Abschluss ihrer beiden Staatsexamina in Marburg und Lübeck und einer Promotion an der Bucerius Law School forscht sie nun am Max-Planck-Institut für ausländische und internationales Privatrecht in Hamburg. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Familienrecht, Internationales Privatrecht und Legal Gender Studies. Ihr Buch „Das personenstandsrechtliche Geschlecht – Zu Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft des Geschlechtseintrags in den Personenstandsregistern“ ist 2025 erschienen und Open Access verfügbar. Rechtspolitisch engagiert sie sich darüber hinaus im Deutschen Juristinnenbund.

II. 

Gewalt in der reproduktiven Selbstbestimmung

Reproduktive Selbstbestimmung gilt als grundlegendes Menschenrecht. Doch unter welchen rechtlichen und institutionellen Bedingungen kann sie tatsächlich verwirklicht werden? Und wann werden gesetzliche Rahmenbedingungen und institutionelle Praktiken zu Formen struktureller Gewalt?

Der Vortrag befasst sich zunächst mit dem Konzept der reproduktiven Selbstbestimmung und unterscheidet zwischen dessen De-jure- und De-facto-Dimension: einerseits den gesetzlichen Regelungen, andererseits den tatsächlichen Möglichkeiten, reproduktive Entscheidungen selbstbestimmt zu treffen und umzusetzen. Eine Entscheidung kann rechtlich zulässig sein, ohne dass sie aufgrund sozialer, ökonomischer oder institutioneller Einschränkungen tatsächlich frei getroffen und verwirklicht werden kann. Aus einer intersektionalen Perspektive stellt sich dabei die Frage, welche Bevölkerungsgruppen von rechtlichen und praktischen Einschränkungen besonders betroffen sind und unter welchen Bedingungen diese als Ausdruck struktureller Gewalt verstanden werden können.

Am Beispiel des Zugangs zu Schwangerschaftsabbrüchen werden diese Fragen aus einer vergleichenden europäischen Perspektive untersucht. Nach einem kurzen historischen Rückblick richtet sich der Fokus auf die Entwicklungen der vergangenen drei Jahrzehnte in Polen, Deutschland und den Niederlanden. Berücksichtigt wird dabei auch der europäische Kontext: Trotz der menschenrechtlichen Verpflichtungen, die sich aus dem Rechtsrahmen der Europäischen Union und des Europarates sowie aus der Rechtsprechung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte ergeben, liegt die Gesetzgebungskompetenz im Bereich der reproduktiven Selbstbestimmung weiterhin im Wesentlichen bei den einzelnen Staaten.

Der Ländervergleich verdeutlicht unterschiedliche Regulierungsansätze: Während Schwangerschaftsabbrüche in Polen und Deutschland weiterhin Gegenstand moralpolitischer Regulierung sind, verfolgen die Niederlande einen stärker gesundheitspolitisch orientierten Ansatz. Zugleich zeigen sich erhebliche Unterschiede zwischen rechtlicher Regulierung und tatsächlichen Handlungsmöglichkeiten. In Polen eröffnet der selbstorganisierte medikamentöse Schwangerschaftsabbruch trotz restriktiver Gesetzgebung Möglichkeiten reproduktiver Selbstbestimmung. In Deutschland hingegen können praktische Zugangshürden sowie die strafrechtliche Verantwortlichkeit der schwangeren Person bei einem Schwangerschaftsabbruch außerhalb des gesetzlich vorgesehenen Rahmens die tatsächlichen Möglichkeiten reproduktiver Selbstbestimmung einschränken.

Der Vortrag untersucht somit, wie rechtliche Regelungen und institutionelle Praktiken zusammenwirken und reproduktive Selbstbestimmung ermöglichen, begrenzen oder durch strukturelle Gewalt untergraben.

Dr. M. Ewa Kaminska-VisserDr. ist eine Politikwissenschaftlerin, die u.a. die Sozialpolitik –insbesondere Gesundheitspolitik und Gesundheitssysteme – in europäischen Ländern vergleichend untersucht. Übergreifende Themen umfassen die Rolle des Staates, der medizinischen Berufe und internationaler Organisationen (hauptsächlich EU) bei der Gesundheitsregulierung; der Einfluss von Kultur, Religion und historischem Erbe auf Gesundheitseinrichtungen; Ungleichheiten beim Zugang zu Gesundheitsdienstleistungen; sektorale Arbeitsbeziehungen. Einer ihrer Forschungsschwerpunkte liegt auf reproduktiven Rechten und reproduktiver Gesundheitspolitik. Sie nutzt eine feministische Perspektiven, um regulatorische Rahmenwerke und deren praktische Umsetzung zu untersuchen, die die Bereitstellung von Geburtshilfe, Zugang zu Schwangerschaftsabbruch- und assistierter Fortpflanzungstechnologien sowie grenzüberschreitende Mobilität im Rahmen der Bedürfnisse der reproduktiven Gesundheit beeinflussen.

Die Veranstaltung ist Teil der Ringvorlesung Gewaltfrei arbeiten und leben? im Wintersemester 2026/27.

Roundtable | WOC Agora #17 | WOC Lab Konstellationen der Verweigerung

Konstellationen der Verweigerung: Skizze eines Forschungsprogramms

Vorstellung und Diskussion mit Autor*innen des WOC Occasional Papers #1 Konstellationen der Verweigerung: Skizze eines Forschungsprogramms.

Verweigerung ist eine widersprüchliche Handlung: Wer sich verweigert, entzieht sich einer Konstellation, bleibt aber zugleich auf sie bezogen. Ausgehend von dieser paradoxalen Dynamik entwickelt das Papier zehn Arbeitshypothesen zu einer Theorie, Praxis und Ästhetik der Verweigerung. Ziel des WOC Occasional Papers #1 ist es, Wege für ein interdisziplinäres Forschungsprogramm zu skizzieren, das untersucht, in welchen Konstellationen Handlungen als Verweigerung verstanden werden und welche Wirkungen sie entfalten.

Moderation: Martin Butler (Uni Oldenburg)

WOC Book Talk | WOC Bremen NatureCulture Lab

Nasima Selim (Bremen) & Judith Albrecht (Vienna): Ways of Breathing and Knowing. The Politics and Poetics of Air, Atmosphere, and the Body

In this WOC Book Talk we will present the volume Ways of Breathing and Knowing: The Politics and Poetics of Air, Atmosphere, and the Body and discuss it with the editors Nasima Selim (U Bremen) & Judith Albrecht (U Vienna).

This book studies the multiple ways of breathing (in) and knowing (of) contemporary lifeworlds. It offers a collection of ethnographic and interdisciplinary essays articulating the politics and poetics of air, atmosphere, and the body across diverse geographical locations, historical moments, and theoretical approaches. The book argues that air, atmosphere, and the body are relational entities shaping and shaped by the very act of breathing. It shows how differences in air, atmosphere, and the body at the scales of neighborhoods, regions, nation-states, and the planet co-constitute breathing inequalities and respiratory conditions of possibilities in suffocating times. As part of the Routledge Critical Perspectives on Breath and Breathing series, Ways of Breathing and Knowing will be an indispensable critical pedagogical companion for students and researchers of anthropology, gender studies, political sciences, science and technology studies, psychology, environmental studies, human geography, and philosophy. It will also be of interest to activists, artists, curators, and cultural and environmental institutions.

WOC Bremen NaturesCulture Lab

Kate Brown (Massachussetts Institute of Technology): Tiny Gardens Everywhere. An Urban History of Resilience

From pre-Industrial England, industrializing Berlin to modern-day Washington and Amsterdam, ordinary people, working with each other, with plants and microbes, cultivated life in the unlikeliest of places. Tiny Gardens Everywhere explores how urban gardeners reactivated commons in European and North American cities in the long 20th century. Using the deluge of nutrients that flow into cities, working class gardeners regenerated wasteland, built the first garden city communities, created the first sinews of the social welfare state, and engaged in the most productive agriculture in recorded human history. Following the plants and microbes, urban gardeners also built mutual aid societies that advocated for equity, social welfare and common law rights to food, fuel and shelter. Tiny Gardens Everywhere follows urban growers in the past and those today engaged in the same struggle to reclaim public commons for healthy people, ecologies, plants and animals.

WOC GradNet Lesekreis | UNIVERSITÄT MACHT WISSEN #3

Die Zukunft der Humanities / The Future of the Humanities (DE/EN)

Wissenschaft prägt Gesellschaft und gesellschaftliche Verhältnisse prägen akademische Wissensproduktion: An Universitäten wird nicht nur neues Wissen erschlossen, sondern es werden auch Zugänge zu diesem Wissen ermöglicht, reguliert und verstellt. Widersprüche, die im Spannungsverhältnis von Universität, Macht und Wissen entstehen, lassen sich zwar selten auflösen, aber meist kritisch bearbeiten. Dieses kritische Potential nehmen wir zum Anlass, um gemeinsam akademische und literarische Texte (10-25 Seiten) rund um das Thema Wissensproduktion und Herrschaftskritik zu lesen. Der Fokus liegt auf intersektionalen Verschränkungen zwischen Klassenzugehörigkeit, Gender, Race, Disability und Neurodivergenz.
Der Lesekreis ist eine Kooperationsveranstaltung des WOC GradNet, des GRK 2686: Contradiction Studies sowie plan m – Mentoring in Science und richtet sich insbesondere an FLINTA*-Promovend*innen und -Postdocs der Universität Bremen. Wir besprechen die Texte in Deutsch und Englisch. Um Anmeldung unter lekreis@uni-bremen.de wird gebeten, die Lektüren werden vorab per E-Mail verschickt.

Lektüre:
Derrida, Jacques. 2002. The future of the profession or the university without condition. In Tom Cohen (ed.), Jacques Derrida and the humanities: A critical reader, 24–57. Cambridge, MA: Cambridge University Press.

Derrida, Jacques. 2022. Die unbedingte Universität (1998). In Unbedingte Universitäten (eds.), Was ist Universität? Texte und Positionen zu einer Idee, 187–196. Zürich: Diaphanes.

2027

January

Ringvorlesung | WOC Lab Violence, Age, and Gender

Ruth Abramowski & Angie Schneider (Bremen): Gewalt in privaten Beziehungen (häusliche Gewalt)

I. 

Gewalt in Paarbeziehungen

Welche Rolle spielt ökonomische Deprivation für das Risiko, Partnerschaftsgewalt zu erfahren? Internationale Forschungserkenntnisse weisen seit Längerem auf einen Zusammenhang zwischen ökonomischer Deprivation und dem Auftreten von Partnerschaftsgewalt hin. Für Deutschland liegen hierzu bislang jedoch vergleichsweise wenige Befunde auf Grundlage zufallsbasierter Stichproben vor.

Der Vortrag nimmt diese Forschungslücke in den Blick und präsentiert Ergebnisse auf Basis der Daten des Deutschen Familienpanels (pairfam). Im Mittelpunkt steht die Frage, inwieweit ökonomische Deprivation das Risiko, körperliche Gewalt in Partnerschaften zu erfahren, erhöht. Die Analysen zeigen, dass sowohl Arbeitslosigkeit als auch eine Unzufriedenheit mit dem Haushaltseinkommen – als Indikatoren wirtschaftlicher Deprivation – mit einem signifikant erhöhten Risiko für das Erleben körperlicher Partnerschaftsgewalt einhergehen.

Ausgehend von diesen Befunden richtet sich der Blick anschließend auf die Frage, welche Schlussfolgerungen sich daraus für politische Maßnahmen und Gewaltprävention ableiten lassen. Darüber hinaus wird diskutiert, wie sich die Bedingungen und Erscheinungsformen von Partnerschaftsgewalt im Zuge der digitalen Transformation verändern. Anhand des aktuellen Beispiels KI-generierter Pornografie werden dabei neue Dynamiken im Kontext von Gewalt- und Abhängigkeitsstrukturen beleuchtet.

Dr. Ruth Abramowski ist Soziologin und forscht als wissenschaftliche Mitarbeiterin am SOCIUM Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik an der Universität Bremen. Zuvor Promotion und wissenschaftliche Mitarbeit an der Abteilung Soziologie und Kulturwissenschaft der Universität Salzburg (Österreich). Dissertationspreise der Österreichischen Gesellschaft für Soziologie im Bereich der Familiensoziologie und der Arbeiterkammer Salzburg. Seit 2020 Mitglied im WOC-Lab „Violence, Age und Gender“ (VAG), seit 2021 Sprecherin des VAG-Labs, zudem aktuell beteiligt am Deutschen Institut für Interdisziplinäre Sozialpolitikforschung (DIFIS)/Associate im Forschungsfeld 2 „Lebensläufe und ihre sozialpolitische Gestaltung“. Forschungsschwerpunkte: Arbeit und Gender, soziale Ungleichheiten, vergleichende Wohlfahrtsstaatsforschung und Familiensoziologie.

II.

Der Gewaltbegriff im SGB XIV und aktuelle Reformen im Familienrecht

Der Schutz vor häuslicher Gewalt steht im Fokus verschiedener Gesetzgebungsvorhaben der aktuellen Legislaturperiode. Bereits in der letzten Legislaturperiode ist das Gesetz für ein verlässliches Hilfesystem bei geschlechtsspezifischer und häuslicher Gewalt, das sog. Gewalthilfegesetz, erlassen worden. Flankiert wurde das Gewalthilfegesetz durch das Gesetz zur Einführung der elektronischen Aufenthaltsüberwachung und der Täterarbeit im Gewaltschutzgesetz. Aus Sicht des Familienrechts sind derzeit zwei Entwürfe von besonderem Interesse: Zum einen der Referentenentwurf eines Gesetzes zur Reform des Kindschaftsrechts (Kindschaftsrechtsmodernisierungsgesetz; KiMoG). Inhalt des Referentenentwurfs ist die Entwicklung eines Gesamtkonzepts zum Schutz vor häuslicher Gewalt in Sorge- und Umgangsverfahren. Insbesondere soll in Fällen häuslicher Gewalt gegen den anderen Elternteil der Umgang mit dem Kind ausgeschlossen werden können, wenn dies geboten ist, um eine Gefährdung der körperlichen Unversehrtheit des gewaltbetroffenen Elternteils abzuwenden. Der Entwurf sieht in diesem Zusammenhang eine gesetzliche Definition des Begriffs der „häuslichen Gewalt“ im Sinne der Istanbul-Konvention vor. In verfahrensrechtlicher Hinsicht wird das KiMoG zum anderen unterstützt durch den Entwurf eines Gesetzes zur Verbesserung des Schutzes von Opfern häuslicher Gewalt, zur Stärkung der Stellung des Kindes im Verfahren und zur Steigerung der Verfahrenseffizienz.

Der Vortrag wird die Referentenentwürfe vorstellen und den Begriff der häuslichen Gewalt in den Blick nehmen, der in Umsetzung der Istanbul-Konvention erstmalig im Familienrecht definiert werden soll. Kritisch soll beleuchtet werden, ob das Begriffsverständnis mit demjenigen der Istanbul-Konvention in Einklang steht oder Defizite bei der Umsetzung festzustellen sind. Beachtung soll dabei auch die digitale Dimension von Gewalt gegen Frauen finden, sowohl in der Istanbul-Konvention als auch in der geplanten familienrechtlichen Umsetzung. Parallel soll § 13 SGB XIV im Blick behalten werden, mit dem der Gesetzgeber zum 1.1.2024 bereits ein umfassendes Verständnis des Gewaltbegriffs normierte, das erstmals eine Definition der psychischen Gewalt beinhaltete.

Prof. Dr. Angie Schneider ist Professorin für Bürgerliches Recht, insbesondere Familienrecht, Arbeits- und Sozialrecht sowie für Gender Studies am Fachbereich 6 Rechtswissenschaften der Universität Bremen.

Die Veranstaltung ist Teil der Ringvorlesung Gewaltfrei arbeiten und leben? im Wintersemester 2026/27.

WOC BookTalk #8

Dana Schmalz (Heidelberg): Europa neu schaffen. Wie wir Flüchtlingsschutz gestalten und Demokratie erhalten

Acht europäische Migrations- und Fluchtforschende wagen sich in die Politik: Als Ausweg aus einer um sich selbst rotierenden, destruktiven Migrationsdebatte fragen sie nach der Zukunft des »Wir« in Europa. Basierend auf jahrzehntelanger empirischer und theoretischer Forschung stellen sie fest, dass zu den Themen Flucht, Grenzen und Asyl nicht allein Zuwanderung, sondern das politische System Europas, sein Selbstbild und seine Rolle auf der Weltbühne ausgehandelt werden. Sie stellen die Frage, wie Flucht nach und Ankommen in Europa so gestaltet werden können, dass unser Zusammenleben fairer, sicherer und demokratischer wird – und zwar für alle, die Europa ihre (alte oder neue) Heimat nennen. Nicht nur auf nationaler, auch auf europäischer Ebene ist das Zusammenleben in Gefahr, das Erosionsprozessen von innen und außen unterliegt.

Dana Schmalz (Heidelberg), Co-Autorin des im August 2026 erschienenen Buchs Europa neu schaffen: Wie wir Flüchtlingsschutz gestalten und Demokratie erhalten, im Gespräch mit Christian Becker (Bremen).

Dana Schmalz ist Rechtswissenschaftlerin und arbeitet als Referentin am Max-Planck-Institut für ausländisches öffentliches Recht und Völkerrecht in Heidelberg.
Christian Becker ist Professor für Strafrecht, Strafprozessrecht, Wirtschaftsstrafrecht und Rechtstheorie an der Universität Bremen.

Ort:
Haus der Wissenschaft
Kleiner Saal
Sandstraße 4
28195 Bremen

WOC Book Talk #9

Satyajeet Malik (Berlin): Der digitale Raubzug. Wie Großkonzerne und Supermächte den Kolonialismus fortsetzen und global ausbeuten

Satyajeet Malik (Berlin) im Gespräch mit Mihir Sharma & Ehler Voss (Bremen) über sein Buch Der digitale Raubzug. Wie Großkonzerne und Supermächte den Kolonialismus fortsetzen und global ausbeuten.

WOC intern

WOC Ratssitzung

Eine Einladung erfolgt zwei Wochen vor der Sitzung.

Ringvorlesung | WOC Lab Violence, Age, and Gender

Fatma Karakaş (Bremen): Internationale Perspektive auf Strafrecht und Geschlecht

I. 

The Situation in Afghanistan: the Function of International Law in Fighting Discriminatory Criminal Laws Against Women

This lecture focuses on the Taliban’s political and religious system in Afghanistan. We will examine these issues from a criminal law perspective and discuss possible remedies under international law.

After gaining independence, Afghanistan took some steps towards modernization. However, the country is currently one of the world’s poorest as a result of years of foreign intervention and multiple civil wars, and it is difficult to speak of the rule of law and human rights. Moreover, there have been significant restrictions on the fundamental rights and freedoms and enforcement of a series of discriminatory laws and regulations, since the Taliban regained state power in 2021. Particularly, women and girls have been excluded from public life, including work and education. Practices such as the amputation of limbs, stoning to death, and public executions illustrate the increasingly severe nature of these forms of enforcement.

It is argued that the Taliban government practices gender apartheid against women. In this lecture, we will explore whether the Taliban’s system is directed primarily against women or against modernity, which is considered to belong to the West. The country’s religious and patriarchal structure may also be convenient for the government. Anti-Western discourse may even be propaganda intended to keep people under control and maintain state power.

Afghanistan, on the other hand, is a member of the international community and a party to many international conventions. The protection of human dignity, both individually and collectively, is the cornerstone of this system. In this context, international law offers some remedies for condemning and punishing such human rights violations resulting from the abuse of state power.

Assoc. Prof. Dr. Fatma Karakaş ist Juristin mit dem Schwerpunkt Strafrecht und lehrt internationales und europäisches Strafrecht. Zudem ist sie als Gastwissenschaftlerin am Fachbereich 6 Rechtswissenschaften der Universität Bremen tätig.

II. 

Nach diesem Vortrag, der in englischer Sprache gehalten wird und zu dem Nachfragen in deutscher und englischer Sprache willkommen sind, sind alle Teilnehmenden zu einer übergreifenden Diskussion eingeladen, mit der diese Open Lecture Series schließt.

Die Veranstaltung ist Teil der Ringvorlesung Gewaltfrei arbeiten und leben? im Wintersemester 2026/27.

WOC Book Talk #10 | WOC GradNet

Kersten Sven Roth (Magdeburg): Ostdeutsch? Westdeutsch? Missverständnis! Warum wir eine andere Debatte brauchen

Nähere Informationen folgen

Vortrag | WOC Research Center Lecture Series Digital Diaspora

Merga Yonas (Leipzig): Digital Diasporas and AI-Generated Disinformation. How Diaspora Communities Perceive, Share, and Contest Deepfakes in Conflict-Affected Homelands“

More information will follow.

WOC GradNet Lesekreis | UNIVERSITÄT MACHT WISSEN #4

Unheimliche Allianzen / Uncanny Alliances (DE/EN)

Wissenschaft prägt Gesellschaft und gesellschaftliche Verhältnisse prägen akademische Wissensproduktion: An Universitäten wird nicht nur neues Wissen erschlossen, sondern es werden auch Zugänge zu diesem Wissen ermöglicht, reguliert und verstellt. Widersprüche, die im Spannungsverhältnis von Universität, Macht und Wissen entstehen, lassen sich zwar selten auflösen, aber meist kritisch bearbeiten. Dieses kritische Potential nehmen wir zum Anlass, um gemeinsam akademische und literarische Texte (10-25 Seiten) rund um das Thema Wissensproduktion und Herrschaftskritik zu lesen. Der Fokus liegt auf intersektionalen Verschränkungen zwischen Klassenzugehörigkeit, Gender, Race, Disability und Neurodivergenz.
Der Lesekreis ist eine Kooperationsveranstaltung des WOC GradNet, des GRK 2686: Contradiction Studies sowie plan m – Mentoring in Science und richtet sich insbesondere an FLINTA*-Promovend*innen und -Postdocs der Universität Bremen. Wir besprechen die Texte in Deutsch und Englisch. Um Anmeldung unter lekreis@uni-bremen.de wird gebeten, die Lektüren werden vorab per E-Mail verschickt.

Lektüre:
Harney, Stefano & Fred Moten. 2013. The university and the undercommons. In Stefano Harney & Fred Moten, The undercommons: Fugitive planning & Black study, 25–43. Wivenhoe, New York & Port Watson: Minor Compositions.

Harney, Stefano & Fred Moten. 2016. Die Universität und die Undercommons. In Stefano Harney & Fred Moten, Die Undercommons: Flüchtige Planung und schwarzes Studium, 19–48. Wien: transversal.

Vortrag im Rahmen des Tags des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus | WOC Lab Pluriversale Erinnerungskulturen in postmigrantischen Gesellschaften & Rektorat der Universität Bremen

Anna Hájková (Warwick): Wie war das Leben in Theresienstadt? Nachdenken über die jüdische Holocaustgeschichte

Während des Holocaust bildete sich in der Häftlingsgesellschaft von Theresienstadt eine eigene soziale Hierarchie heraus. Dabei entschieden kleine Unterschiede zwischen den Häftlingen – ihr Alter, ihre Herkunft oder ihre frühere Arbeit – über Leben und Tod. In den dreieinhalb Jahren des Bestehens des Lagers schufen die Häftlinge ihre eigene Kultur und ihre eigenen Gewohnheiten, schlossen sich zusammen, verliebten sich und gründeten neue Familien. Anna Hájková zeigt, wie eine Alltagsgeschichte der Opfergesellschaft im Holocaust betrieben und geschrieben werden kann.

Dr. Anna Hájková ist Reader for modern European continental history at the University of Warwick, wo sie das Zentrum für globale jüdische Studien mitleitet. Ihr Buch The Last Ghetto: An Everyday History of Theresienstadt (2020) erschien 2026 auf Deutsch. 2021 publizierte sie mit Menschen ohne Geschichte sind Staub eine erste Monographie über queere Holocaustgeschichte; die englische Ausgabe wurde mit dem National Jewish Book Award 2026 ausgezeichnet.