Teilprojekte

Der Projektbereich „Wissensformen“ verbindet Forschungsvorhaben aus mehreren geistes- und sozialwissenschaftlichen Disziplinen und ist aktuell in sieben miteinander im engen Austausch stehende interdisziplinäre Teilprojekte organisiert:

Objekte Formen Wissen


Ansprechperson: Dr. Anna-Lisa Müller, Webseite und Kontakt hier.

Das gemeinsame Interesse der Beteiligten besteht einerseits in Fragen nach an Objekte gekoppelte Wissensformen und Widersprüchlichkeiten, andererseits auch in „Objekten“ in ihrer Materialität, ihrer Repräsentations- und/oder Konstruktionskraft und insbesondere in einem horizonterweiternden, fruchtbaren interdisziplinären Austausch. Derzeit fokussieren wir die Rolle von Objekt-Raum-Konfigurationen für Wissen/Wissensformen und die damit verbundenen Stabilisierungs- und Destabilisierungsprozesse. Objekt-Raum-Konfigurationen sind beispielsweise dann Gegenstand der Analyse, wenn die spezifische Präsentation von Objekten im Museum gesellschaftliche und disziplinenspezifische Strukturen hervorbringt. Zwischenergebnis unserer bisherigen Diskussionen ist das Feststellen eines Desiderats in der Theoriebildung, was die Rolle von Objekten und Objekt-Raum-Konfiguration bzgl. der Konstitution von Wissen angeht. Diese in den verschiedenen Disziplinen identifizierte Forschungslücke zu schließen erscheint uns sinnvoll und leitet die weitere Arbeit der Arbeitsgruppe an.

Beteiligte:
Prof. Dr. Maria Fikus (Institut für Sportwissenschaft)
Dr. Jan Gerstner (Neuere Deutsche Literaturwissenschaft)
Tobias Goebel (Institut für Geschichtswissenschaft & Deutsches Schiffahrtsmuseum)
Prof. Dr. Uta Halle (Institut für Geschichtswissenschaft & Landesarchäologie Bremen)
Hauke Kuhlmann (Germanistik)
Dr. Anna-Lisa Müller (Institut für Geographie)
Florian Pehlke (Germanistik)
Dr. Anne Rohrbach (Koordinatorin WoC-Wissensformen)
Prof. Dr. Ruth Schilling (Institut für Geschichtswissenschaft & Deutsches Schiffahrtsmuseum)
Anna Seitz (Zentrum für Performance Studies)
Dr. Karen Struve (Romanistik)
Talip Törün (Institut für Geschichtswissenschaft & Deutsches Schiffahrtsmuseum)

Nächste Veranstaltung:
Workshop „Museum. Text – interdisziplinäre Lektüren“ am 29.06.2018, 9-17 Uhr, Deutsches Schiffahrtsmuseum Bremerhaven. Nähere Informationen finden Sie hier.

Fiction Meets Science


Nähere Informationen finden Sie hier: Website

Initiative zur Stärkung der kultur- und sozialwissenschaftlichen Meeresforschung an der Universität Bremen


Das gesellschaftliche und wissenschaftliche Interesse an Meeren und Ozeanen ist in den letzten Jahrzehnten besonders durch ökonomischen Ausbeutungsdruck (u.a. „Blue Economy“, Aquakulturen & Tiefseebergbau) und die Herausbildung ökologischer Problemlagen im globalen Maßstab angefacht worden (u.a. Erwärmung, Versauerung, „Coral bleaching“, Überfischung, Artensterben, mariner Plastikmüll). Das Ausmaß der ökologischen Probleme und der hohe normative Druck, der mit ihnen verbunden ist, haben zu einem verstärkten Forschungsengagement der Kultur- und Sozialwissenschaften in Bezug auf Meere, Küsten und Ozeane geführt. Die zunehmend heterogenen und antagonistischen Wissensformen zu Meeren und Ozeanen werden hier unter Aspekten postkolonialer, ökologischer, technologischer und epistemologischer Verschiebungen erforscht. Gleichzeitig fordern (und fördern) einschlägige Institutionen der Umweltpolitik und der Wissensförderung (etwa WBGU, VolkswagenStiftung, BMZ, Mare:N des BMBF) vermehrt und deutlich neue interdisziplinäre Formen der Wissensproduktion. Es geht sowohl darum, „blind spots“ zu identifizieren, die allein schon aufgrund der disziplinären Organisation des Wissenschaftssystems methodischer und forschungspraktischer Ansätze, mit denen die Meere als ‚NatureCultures‘ untersucht werden können – also in ihren Verbindungen von Natur, Technologie, Ökologie, Gesellschaft und Kultur. Die „Initiative zur Stärkung der Kultur- und Sozialwissenschaftlichen Meeresforschung an der Universität Bremen“ (Ansprechpartnerinnen: Anna-Katharina Hornidge & Michi Knecht) vernetzt die bereits vorhandenen Kompetenzen kultur- und sozialwissenschaftlicher Meeresforschung an der Universität Bremen in fünf thematischen Bereichen:

  1. Marine Environmental Humanities
  2. Coastal Transformation Studies
  3. Marine Wissens- und Wissenschaftsforschung / Blue STS
  4. Politische Ökologie und Ökonomie der Meere, globale Nachhaltigkeit
  5. Oceanic Futrues and Foresight Studies

und arbeitet an der institutionellen und thematischen Stärkung dieser Forschungsbereiche. Ziel ist es, in einer Balance von eigenständiger Organisation und gleichzeitig bewusstem Brückenschlag in die naturwissenschaftliche Meeresforschung hinein das interdisziplinäre Vernetzungspotenzial, bei gleichzeitig exzellenter Forschung, weiter auszubauen und sichtbar zu machen.

ForschungswerkStadt Gröpelingen


Die Geschwindigkeit und Wucht, mit der eine weitgehend globalisierte und digitalisierte Welt Probleme hervorbringt und städtischen Wandel erzwingt, macht die Entwicklung neuer Formen der Wissensproduktion und den Aufbau von Infrastrukturen notwendig, die die Kooperation, Koordination und Vernetzung des Wissens unterschiedlicher Disziplinen mit heterogenen städtischen Akteurinnen und Akteuren sowie gesellschaftlichen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern zu unterstützen. Vor diesem Hintergrund ermöglicht die „ForschungswerkStadt Gröpelingen“ (Ansprechpartnerinnen: Michi Knecht & Julia Lossau) Disziplinen übergreifende sozial- und kulturwissenschaftliche Stadtforschung gemeinsam mit städtischen Akteurinnen und Akteuren in einer Langzeitperspektive zu entwickeln und dabei gesellschaftliche Problemlagen aufzugreifen, die im Bremer Stadtteil Gröpelingen besonders manifest sind. Dabei kommt ein Forschungsansatz zum Tragen, der das Wissen von universitären und außeruniversitären Akteurinnen und Akteuren in den neuen Formaten und Wissenspraktiken verbindet. Von diesen transdisziplinären und kollaborativen Formen der Wissensproduktion profitieren auch Studierende der Universität, in dem die „ForschungswerkStadt Gröpelingen“ die Herausforderungen des forschenden Lernens annimmt und neue Formen und Formate forschenden Lernens für Ethnologie, Geographie, Sozial- und Gesundheitswissenschaften initiiert.

Postcolonial Knowledges


Nähere Informationen folgen in Kürze.

Rethinking Humanism


Die Arbeitsgruppe „Rethinking Humanism“ (Ansprechpartnerin: Gisela Febel) führt Forschungen zusammen, die alternative Wissenskonzepte, Repräsentationsformen und Kulturmodelle theorisieren und analysieren. Damit bietet die Gruppe einen Dialograum für Vertreterinnen und Vertreter einer breiten Palette geisteswissenschaftlicher Fächer (aktuell insbesondere Amerikanistik, Anglistik, Germanistik, Romanistik sowie Transnationale Literaturwissenschaft und Transkulturelle Studien).

Ausgangspunkte sind Postcolonial and Black Studies, Diaspora Studies und globale Migration, Relektüren der europäischen Aufklärung und Moderne, transnationale und transkulturelle Perspektiven sowie intersektionale Theorien, insofern diese Ansätze auf die Kritik (post)aufklärerischer Episteme abzielen. Konkrete Projekte befassen sich etwa mit der Aufklärungsrezeption und -transformation in der Karibik, mit fiktionalen und autofiktionalen Identitätsentwürfen, mit humanistischen Produktionen von Wissen und Nichtwissen (insbesondere aus Perspektive der Black Studies) oder mit der Narrativierung alternativer Humanismuskonzepte in erzählender Literatur.

In den Fokus rücken somit plurale Humanismus-Konzepte, dekoloniale Anthropologien und Kulturtheorien, die Identitätskonstruktionen subalterner Subjekte sowie multiple Bezugs- und Geschichtsmodelle entwerfen, wie sie die Gegenwart dringend benötigt.

Seit 2017 fördert die DFG das Projekt „Transatlantische Ideenzirkulation und Ideentransformation: Die Wirkung der Aufklärung in den neueren frankokaribischen LIteraturen“. Detaillierte Infos finden Sie hier.

Verstörendes Erzählen


Die Arbeitsgruppe „Verstörendes Erzählen“  (Ansprechpartnerin: Sabine Schlickers) beschäftigt sich mit unterschiedlichen Denkfiguren von Widersprüchlichkeit in narrativen Texten in unterschiedlichen Medien. Das verstörende Erzählen rekurriert auf das von Sabine Schlickers und Vera Toro in ihrem laufenden Explorationsprojekt entwickelte Erzählprinzip, das eine Kombination täuschender, paradoxaler und verrätselnder Erzählstrategien in aktuelleren fiktionalen Texten (Literatur und Film) bezeichnet, durch die eine irritierende Wirkung ausgelöst wird.

Das Erzählprinzip des Verstörenden Erzählens bietet sehr viele Anschluss- und Erweiterungsmöglichkeiten: Das vorwiegend hispanistische Korpus könnte durch andere romanische, deutsch- und englischsprachige sowie slawische Literaturen und Filme erweitert werden, transmedial durch den Einbezug von Dramen, Comics, Videogames etc.

Unter dem Aspekt des Widerspruchs als poetologischem Prinzip ergibt sich eine Anschließbarkeit des Verstörenden Erzählens an das laufende Explorationsprojekt von Elisabeth Lienert, das Widerspruch als Erzählprinzip in der Vormoderne untersucht. Weitere lohnenswerte historische Untersuchungsperspektiven bieten sich im Hinblick auf den Barock, die Romantik und die Moderne.

Nimmt man die durch die verstörende Erzählung ausgelösten Wirkungsmechanismen in den Blick, ergeben sich vielfältige Anschlussmöglichkeiten bzgl. rezeptionsästhetischer, kognitivistischer und didaktischer Fragestellungen.

Unter philosophischer Perspektive könnte der Begriff des Verstörenden Erzählens mit dem Skeptizismus korreliert werden; epistemologisch gewendet wäre danach zu fragen, ob das Verstörende Erzählen symptomatisch ist für eine Krise der (postautonomen) Kunst.

Korpusbasierte Studien eröffneten den digital humanities die Möglichkeit, stichhaltige Aussagen über das verstörende Erzählen in bestimmten Epochen, Gattungen, Textsorten etc. zu treffen.

Weitere Informationen zu den beteiligten Wissenschaftlerinnen finden Sie hier:

http://www.fb10.uni-bremen.de/lehrpersonal/schlickers.aspx
http://www.fb10.uni-bremen.de/lehrpersonal/toro.aspx
http://www.fb10.uni-bremen.de/lehrpersonal/lienert.aspx