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Tagung „Historizität des Widersprüchlichen“

Mittwoch, 5. Oktober 2016 - Donnerstag, 6. Oktober 2016

Historizität des Widersprüchlichen
Bremen, 5. – 6. Oktober 2016

Widersprüche werden synchron beschrieben und modelliert, als Aussagenrelation der Kontradiktion. Wir bezeichnen und bewerten Relationen als widersprüchlich, wenn sie innerhalb eines raumzeitlichen Kontextes Unvereinbarkeiten aufweisen, z. B. in der Aussage Ich bin satt und habe Hunger. Zugleich resultiert aus der raumzeitlichen Kongruenz widersprüchlicher Teilaussagen, dass diese selbst eingebettet sind in je spezifische historische Umstände: Was dabei zum Zeitpunkt x als widerspruchslos gilt (z. B. die textuelle Verbindung von res factae und res fictae), kann zum Zeitpunkt y als widersprüchlich aufgefasst werden. Trotz aller struktureller Beschreibbarkeiten sind Widersprüche also immer auch Teil historischer Wahrnehmungsweisen und zeitlich wie auch räumlich relativer Problematisierungen: Widersprüche und Konzepte des Widersprüchlichen sind Teil historischer Ordnungen. Der Blick auf die Historizität des Widersprüchlichen bedeutet also, die vorrangig synchron-strukturelle Beschreibung von Widerspruchsrelationen zugunsten historischer Relativierungen aufzugeben. Doch im Gegensatz zu anderen Aussagenrelationen, deren Wandel im Gebrauch recht problemlos denkbar ist (z. B. hinsichtlich der Extension einer Antonymie wie legal vs. illegal), scheint uns die Feststellung von Widerspruch überwiegend logisch-zwingend und damit ahistorisch zu sein.

Die interdisziplinäre Tagung mit Fokus auf sprachlich-kommunikative Formen des Widersprüchlichen ist Teil der Verbundforschungsinitiative „Worlds of Contradiction“ der Universität Bremen. Ziel der Tagung ist es, ausgewählte Forschungspositionen zu diskursiven Aspekten des Widerspruchs zusammenzuführen und dabei vor allem das Spannungsfeld von synchronen und diachronen Dimensionen in den Blick zu nehmen. Zwei Aspekte sollen dabei besonders hervorgehoben werden: Erstens eine möglichst multiperspektivische Konturierung des Gegenstands und zweitens die Frage, wie der Wandel von Widersprüchlichem vor dem Hintergrund des Satzes vom Widerspruch zu fassen ist, nach dem bekanntlich die gleichzeitige Geltung zweier im Widerspruch zueinander stehender Aussagen logisch ausgeschlossen ist.

Tagungsort ist das Haus der Wissenschaft, Sandstraße 4/5, 28195 Bremen:
www.hausderwissenschaft.de

Tagungsprogramm (Download hier: Plakat_HDW_Tagung_2016_Bremen)

 

05.10.2016

13:00 – 13:15     Philipp Dreesen (Bremen): Begrüßung // Ingo H. Warnke (Bremen): Vorstellung der Verbundinitiative Worlds of Contradiction

13:15 – 14:00     Philipp Dreesen: Einführung – Historizität des Widersprüchlichen

14:00 – 14:45     Nina Janich (Darmstadt): Im Zweifel für den Zweifel: Widersprüchliche Wissenschaftsideale und ihre Folgen für wissenschaftliche Textprozeduren

14:45 – 15:15     Kaffeepause

15:15 – 16:00     Jürgen Schiewe (Greifswald): Die Konstruktion des Widersprüchlichen in Carl Gustav Jochmanns ‚Briefen eines Homöopathischgeheilten an die zünftigen Widersacher der Homöopathie‘ (1829)

16:00 – 16:45     Simon Meier-Vieracker (TU Berlin): Wie jedermann weiß – Zur Widersprüchlichkeit expliziter Wissenszuschreibungen in Dinglers ,Polytechnischem Journal‘ (1820–1931)

16:45 – 17:15     Kaffeepause

17:15 – 18:00     Jürgen Spitzmüller/Christian Bendl (Wien): „Wer (wider-)spricht?“ Widerspruch und Widersprüchlichkeit als Praxis und Pol sozialer Positionierung

18:00 – 18:45     Martin Reisigl (Bern): Kalkulierte Ambivalenz in der politischen Kommunikation. Politolinguistische und argumentationstheoretische Betrachtungen

 

06.10.2016

09:00 – 09:45     Ruth M. Mell (Mannheim): Widersprüchliche Aspekte des Konzepts AUFKLÄRUNG in der Geschichte

09:45 – 10:30     Karen Struve (Bremen): „Tout le contraire se pratique en Europe“: Das ambivalente Verhältnis zum kolonialen Anderen in der französischen Aufklärung

10:30 – 11:00     Kaffeepause

11:00 – 11:45     Philipp Krämer (FU Berlin): Verstoßene Verwandte – koloniale und postkoloniale Diskurse über Kreolsprachen zwischen Widerspruch und Tautologie

11:45 – 12:30     Anne Storch (Köln): Lärm und Unsinn

12:30 – 14:00     Mittagspause

14:00 – 14:45     Jin Zhao (Shanghai): Selbstbild und Fremdbild: Widersprüche und Wechselwirkungen – Analyse von Medienberichten zu Sino-Afrika-Beziehungen

14:45 – 15:30     Hanna Acke (Bremen): Diskursanalyse als Auffinden oder als Auflösen von Widersprüchen?

15:30 – 16:00     Abschlussdiskussion mit Kaffee

 

Details

Beginn:
Mittwoch, 5. Oktober 2016
Ende:
Donnerstag, 6. Oktober 2016

Veranstaltungsort