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WORDS OF CONTRADICTION #2

Am 21.07.2017 hielt Prof. Dr. Banu Subramaniam (University of Massachusetts, Amherst) im Rahmen der WORDS of Contradiction einen Vortrag zu “Narratives of the Enlightenment: Tales from the Edges of Sciences and Religion in India”. Anhand von indischen Mythen und Bildern erläuterte sie die vielschichtigen Verflechtungen von Hindu-Nationalismus, Religion und Wissenschaft und verwies dabei sowohl auf die Herausforderungen fundamentalistisch-nationalistischer Politiken als auch auf die Notwendigkeit, unsere westlichen erkenntnistheoretischen, methodischen und erzähltheoretischen Konzepte zu hinterfragen.

 

Ringvorlesung „Jenseits von Synthese und Integration / Beyond Contradiction“

Im Sommersemester 2017 veranstaltete der Projektbereich „Wissensformen“ die interdisziplinäre Ringvorlesung „Jenseits von Synthese und Integration/Beyond Contradiction“, die sich multiperspektivisch mit Wissenspraktiken und Wissenspolitiken des Widerspruchs auseinandersetzte.

In der Vorlesungsreihe ging es nicht um die Überwindung oder gar die Auflösung von Widersprüchen, sondern um die (Er-)Lebbarkeit und damit um die Produktivität von Widerspruch. Die Beitrage und Diskussionen haben einerseits gezeigt, wie Widersprüche erzeugt, bedeutsam gemacht und/oder bekämpft werden, andererseits haben sie durch die Infragestellung westlich-hegemonialer Widerspruchskonzepte auf die Möglichkeiten eines „beyond contradiction“ verwiesen.

Wir danken ganz herzlich allen Vortragenden, ModeratorInnen, Gästen und Studierenden für die Beiträge und lebhaften Diskussionen!

Open Campus 2017

Die Verbundforschungsinitiative „Worlds of Contradiction“ präsentierte die gemeinsamen Aktivitäten mit einem eigenen Stand beim Open Campus der Universität Bremen am 17. Juni 2017. Unter dem diesjährigen Motto „Welten öffnen – Wissen teilen“ fand in der WoC-Pagode ein abwechslungsreicher, inspirierender und kritischer Austausch zu widersprüchlichen und widerständigen Phänomenen und (Über-)Lebens-Praktiken statt. Ein Exponat lud Besucher zur „Entdeckung von Widersprüchen“ ein.

WoC-Werkstatt

Am 09. Juni 2017 startete WoC mit einem neuen Veranstaltungsformat: Die WoC-Werkstatt richtet sich an Masterstudierende und Promovierende, die sich in ihrer Forschung mit Widerspruch und Widersprechen auseinandersetzen.

Die fünf Vortragenden aus unterschiedlichen Disziplinen eröffneten einen lebendigen Diskussionsraum zu widersprüchlichen Architekturen im Mittelalter, zu organisationalen Verhandlungspraxen von Migration in der Schule, zu Figuren des höfischen Erzählens, zu Ordnung und Widerspruch in mittelalterlichen Maeren sowie zu widersprüchlichen Ur- und Frühgeschichtsbildern in illustrierten Zeitschriften der NS-Zeit.

Das erfolgreiche Veranstaltungsformat wird im Wintersemester 2017/18 wieder aufgegriffen.

WORDS of Contradiction #2

Am 21. Juni 2017 ist Prof. Dr. Banu Subramaniam, Professorin für Women, Gender, and Sexuality Studies an der University of Massachussetts, Amherst, Gast von Worlds of Contradiction.

Prof. Dr. Banu Subramaniam (Foto: umass.edu)

Im Rahmen der internationalen Lecture Series „WORDS of Contradiction“ hält sie einen Vortrag zum Thema „Counter-Narratives of the Enlightenment: Tales from the Edges of Science and Religion in India.

„WORDS of Contradiction“ #2 findet am Mittwoch, 21. Juni 2017, 18:15-19:45 Uhr, in der Rotunde im Cartesium statt (Universität Bremen, Enrique-Schmidt-Straße 5, 28359 Bremen). Der Vortrag ist öffentlich.

Zum Inhalt des Vortrags:

In her talk, Banu Subramaniam explores the worlds of science in contemporary India. In contrast to other religious fundamentalisms, Hindu nationalism embraces science as an important and critical part of religion. Religious nationalists in contemporary India have selectively, and strategically, used rhetoric from both science and Hinduism, modernity and orthodoxy, western and eastern thought to build a powerful vision of a Hindu nation. With aspirations for a global and modern Hinduism, she argues that scientific and religious practices in contemporary India are inextricably interconnected and result in fluid processes and practices of both institutions. She explores how mythological narratives, preternatural tales, and ghostly apparitions mingle effortlessly with animist traditions as well as the material, experimental, and institutional practices of technosciences. This emerging “syncretic pragmatism” challenges us to move beyond the oppositional stances of science and religion, to consider counter narratives to the enlightenment tales of reason and unreason. Ultimately to understand contemporary technoscience in India, we need new epistemological and methodological tools, and story making practices to make visible the many phantasmogoric naturecultural worlds within.

Internationale Konferenz „Contradiction Studies: Mapping the Field“

Die Verbundforschungsinitiative „Worlds of Contradiction“ hat vom 9. bis 11. Februar 2017 die internationale Konferenz „Contradiction Studies: Mapping the Field“ ausgerichtet. Die Konferenz brachte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Brasilien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Israel, Italien, Japan, Kanada, der Schweiz und den USA zusammen, die in drei Sektionen und vier thematischen Panels dazu beitrugen, mit Bremer Kolleginnen und Kollegen das neue Forschungsfeld der Widerspruchsstudien zu diskutieren. In über 40 Beiträgen wurden Konzepte des Widerspruchs in Gegenständen, Theorien und Methoden der Geisteswissenschaften kritisch auf ihr Beschreibungs- und Erklärungspotenzial hin befragt.

Um vier herausragende Beispiele dafür zu nennen, seien die vier renommierten keynote speakers angeführt, deren Vorträge die Bandbreite der Contradiction Studies illustrierten: Die Fremdsprachendidaktikerin Prof. Dr. Barbara Schmenk (University of Waterloo, Kanada) sprach über „Governmentality and the Autonomous Subject: Persistent Contradictions in Philosophies of (Language) Education“. Der Vortrag von Dr. Stefan Müller (Universität Giessen) reflektierte in seinem Beitrag „Contradiction as an Answer“ Widerspruch aus der Perspektive mehrdimensionaler Logiken. Widersprüchliche Konstellationen in historischen Kontexten thematisierte der Beitrag „Contradiction, Ambiguity, Multiplicity, Duplicity: How to Think about Russian Law“ von Prof. Dr. Jane Burbank (New York University). Der Soziologe Prof. Dr. Rémy Bazenguissa-Ganga (EHESS Paris) sprach in seinem Vortrag „Crise mondiale de la démocratie représentative. Lectures à partir de l’Afrique“ über den Widerspruch in postkolonialen Konstellationen.

Die als „Inaugural Conference on Concepts of Contradiction in the Humanities“ überschriebene Tagung ist der Auftakt einer Serie von internationalen Symposien zur Entwicklung der Contradiction Studies.

Prof. Dr. Andreas Breiter (Vice-Principle for Research, University of Bremen) opening the conference

Prof. Dr. Norbert Schaffeld (head of Worlds of Contradiction) opening the conference

Keynote address by Prof. Dr. Barbara Schmenk (University of Waterloo)

Keynote address by Prof. Dr. Jane Burbank (New York University)

Keynote address by Prof. Dr. Rémy Bazenguissa-Ganga (EHESS Paris)

Discussion after a presentation

Hier finden Sie Videoaufzeichnungen von Konferenzbeiträgen. Ein englischsprachiger Tagungsband „Contradiction Studies: Mapping the Field“, hrsg. von Gisela Febel, Cordula Nolte und Ingo H. Warnke, der im Verlag Springer VS erscheint, wird ausgewählte Konferenzbeiträge versammeln.

Ringvorlesung „Macht im Widerspruch“

Im laufenden Wintersemester 2016/17 veranstalten die SprecherInnen des Projektbereichs „Machtdifferenzen“, Ingo H. Warnke, Susanne Schattenberg und Anna-Katharina Hornidge, gemeinsam mit Martin Nonhoff eine interdisziplinäre Ringvorlesung mit dem Titel „Macht im Widerspruch“. Die Ringvorlesung widmet sich den Funktionen von Widerspruch in Kontexten ungleicher Machtverhältnisse bzw. den strukturellen Relationen von Widerspruch und Macht. Dabei werden schwerpunktmäßig behandelt: (1) die Performativität von Macht, (2) die Dynamik von Widersprüchen und (3) und Formen der Normalitätsproduktion und der Normalitätsmarkierung. Machtdifferenzen werden sowohl als unterschiedliche Formen von Macht verstanden als auch als Hierarchien und Machtgefälle zwischen unterschiedlichen AkteurInnen. Am kommenden Mittwoch, dem 1. Februar 2017, wird Susanne Schattenberg die Vortragreihe mit einem Beitrag zu Leonid Breschnew beschließen.

Wir bedanken uns bei allen Vortragenden, KommentatorInnen, Gästen und Studierenden für die anregenden Beiträge und die lebhaften Diskussionen!

 

Programm:

Mi, 26.10.  Zusammenhänge von Macht und Widerspruch denken – eine Einführung
Anna-Katharina Hornidge, Susanne Schattenberg, Ingo H. Warnke, Universität Bremen

Mi, 02.11.  Macht der Objekte – Objekte der Macht: Erzählungen von Herrschaft im Museum
Ruth Schilling, Deutsches Schifffahrtsmuseum und Universität Bremen

Mi, 09.11.  (Un)learning is love/pain: Decolonizing Westernized Knowledges, and its Contradictions
Epifania Amoo-Adare, ZEF Center for Development Research, Bonn

Mi, 16.11.  Of Binaries and Boundaries: Interdisciplinarity in Natural Resources Management Research
Peter Mollinga, SOAS, University of London

Mi, 23.11.  Buenos Dias Matthias: Coloniality and Transgression in a Vacation Context
Nico Nassenstein und Anne Storch, Universität zu Köln

Mi, 30.11.  Wem gehören die Kinder? Staat, Familie und Experten im Pädagogikdiskurs sozialistischer Gesellschaften
Martina Winkler, Universität Bremen

Mi, 07.12.  ‚Agency‘-Konzepte in der Globalgeschichtsschreibung
Gabriele Lingelbach, Christian-Albrechts-Universität zu Kiel

Mi, 14.12.  Dynamiken interreligiöser Begegnung
Gritt Klinkhammer, Universität Bremen

Mi, 21.12.  Akteure der Emergenz kolonialer Sprachideologien in Hispanoamerika: Die widersprüchliche Rolle der Missionare
Carolin Patzelt, Universität Bremen

Mi, 11.01.  Demokratische Gleichheit und oligarchische Macht – ein aufhebbares Spannungsverhältnis?
Martin Nonhoff, Universität Bremen

Mi, 18.01.  Power, Positionality, and Belonging: Reflections on Camp Dwellers in Kabul
Katja Mielke, BICC Bonn International Center for Conversion

Do, 19.01.  Umstrittene Macht
Martin Saar, Universität Leipzig

Mi, 25.01.  Internationale Dissidenz: Neue Formen des Widerstands in der Weltpolitik
Christopher Daase, Goethe-Universität Frankfurt am Main

Mi, 01.02.  Leonid Breschnew – oder die Kunst, einen westlichen Staatsmann zu mimen
Susanne Schattenberg, Universität Bremen

Hinter den Widersprüchen und ihren Welten. Cafégespräch mit Dr. Uwe Spörl

20170131_122055Im 5. WoC-Cafégespräch, das am 31. Januar 2017 von Dr. Uwe Spörl (Fachbereich 10, Neuere deutsche Literaturwissenschaft) mit einem Impulsreferat zum Thema „Hinter den Widersprüchen und ihren Welten. Überlegungen zum Forschungsprogramm der Contradiction Studies“ eröffnet wurde, diskutierten an WoC beteiligte Kolleginnen und Kollegen aus Literaturwissenschaft, Linguistik, Performance Studies und Philosophie über „Welten“ im Plural und die unterschiedlichen Formen, die Widerspruch annehmen kann. Dabei standen Theorien des World-Making des Philosophen Nelson Goodman sowie Konzepte des Grenzgangs im Mittelpunkt.

WoC-Plenum am 09.12.2016

Prof. Dr. Norbert Schaffeld eröffnete das WoC-Plenum mit einer herzlichen Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Daniel Schmidt-Brücken moderierte den Informationsteil, in dem es vor allem um den aktuellen Arbeitsstand sowie um künftige Aktivitäten ging, um im Anschluss mittelfristige Perspektiven für WoC zu diskutieren.

Eine Publikationsreihe „Contradiction Studies“ beim Verlag Springer VS wird deutsch- und englischsprachige Veröffentlichungen aufnehmen. Vier Bände sind bereits in Vorbereitung oder geplant.

Die inhaltliche Vorbereitung der Konferenz „Contradiction Studies: Mapping the Field. Inaugural Conference on Concepts of Contradiction in the Humanities“ vom 9. bis 11.2.2017 ist abgeschlossen. Eine Anmeldung ist noch bis zum 15.1.2017 möglich (http://www.woc.uni-bremen.de/conference/).

Ein aktueller Schwerpunkt in WoC ist die Planung und Etablierung einer gemeinsamen Drittmittelinitiative, die inhaltlich wie strukturell auf Interdisziplinarität ausgelegt ist und der Etablierung des Forschungsfeldes „Contradiction Studies“ dient.

Der inhaltliche Teil des Plenartreffens zum Thema „Not my president! Trump und andere Anlässe des Widersprechens“ wurde von Daniel Schmidt-Brücken, Meike Hethey und Philipp Dreesen moderiert und eröffnete den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Diskussionsraum, die (Selbst-)Widersprüche Donald Trumps zu reflektieren und in einen lebendigen Dialog über Positionen und Unsicherheiten zu treten. WoC plant für das neue Jahr weitere Veranstaltungen speziell zu diesem Thema. Wenn Sie diesbezüglich Fragen oder Anregungen haben, wenden Sie sich gerne an das Koordinationsteam unter woc@uni-bremen.de.

Workshop des Projektbereichs „Wissensformen“ zum Thema „Verflochtene Objekte“ am 25.11.2016

Am 25.11.2016 fand der zweite Workshop des Projektbereichs „Wissensformen“ an der Universität Bremen statt. Ziel des vierstündigen Workshops war es, die mobilen Verflechtungen von Objekten, Subjekten und Ordnungen mit einer Perspektive auf Wissenspraktiken und Wissenspolitiken des Widerspruchs zu verbinden, um Komplexität, Konflikte und kontroverse Ontologien in kolonialen wie postkolonialen Kontexten diskutier- und bearbeitbar zu machen.

Nach einer herzlichen Begrüßung der Teilnehmerinnen und Teilnehmer von Julia Lossau, hielt die Ethnologin Dr. Larissa Förster (HU Berlin) einen erkenntnisreichen, anschaulichen Vortrag über die „Verflechtungsgeschichte von Objekten“ und rückte dabei insbesondere die namibische otorupa (Truppenspielerbewegung) und die Bedeutung der Herero Uniformen in den Mittelpunkt des Interesses. Das seit 1990 unabhängige Namibia unterscheidet sich insofern von zahlreichen anderen ehemaligen Kolonien als dass es auf zwei Epochen kolonialer Fremdherrschaft zurückblickt: Auf die deutsche Kolonialherrschaft (Deutsch-Südwestafrika 1884-1915) und nach dem zweiten Weltkrieg die südafrikanische Fremdherrschaft, in der die Apartheidspolitik auch den Südwesten des Kontinents erreichte. Die oturupa wurde nach dem als Völkermord an die Herero und Nama erinnerten Krieg (1904-1908) als eine Art Selbsthilfe-Netzwerk zur ökonomischen und sozialen Unterstützung ihrer Mitglieder etabliert und stellt heute eine der wichtigsten Institutionen der Herero-Gesellschaft dar. Die oturupa gilt als zentrale Instanz bei der Vermittlung von historischem und kulturellem Wissen. Charakteristisch ist der Aufbau nach militärischen Rängen, das Tragen von Uniformen sowie der Rückgriff auf kolonialmilitärische und kolonialbürokratische Praktiken. Die Uniformen entsprechen oft dem Typus der deutschen Uniform (als Uniform der Sieger) mit zusätzlichen anderen Elementen (Assemblage). Sowohl die Aneignung militärischer Praktiken als auch die damit verbundene herausragende Bedeutung von Uniformen sind nicht als reine Imitation oder Bewunderung zu verstehen, sondern auch als ein symbolisches „(wieder) in Besitz nehmen“, als Widerstand und Karikatur bzw. Parodie deutscher Kolonialgesten. Larissa Förster machte auf eindringliche Weise deutlich, dass Objekte (und damit verbundene) Erinnerungen nicht isoliert voneinander existieren, sondern dass sie im Austausch und in Konfrontation zueinander stehen: dass sie auf vielfältige Weise miteinander verflochten sind. Im zweiten Teil des Vortrags beschäftigte sich Larissa mit der Förster mit Fragen der „Rehumanisierung“. In Museen, anthropologischen Sammlungen und Kliniken gibt es zahlreiche Bestände von Schädeln und Gebeinen, die oft grausam aus den ehemaligen Kolonien entwendet wurden. Immer deutlicher stellt sich die Frage: Gehören die überhaupt zu uns? Zugleich wächst bei den Bewohnerinnen und Bewohnern ehemaliger Kolonien der Wunsch, die Überreste der Ahnen zurück zu erhalten. Aber auch hier stellt sich die Frage: Sind sie es überhaupt noch? Larissa Förster nahm vor diesem Hintergrund die Schwierigkeiten der (musealen) Provenienzforschung und die aufwendigen, hochkomplexen sowie emotionalen Rückführungszeremonien von „menschlichen Objekten“ in die ehemaligen Herkunftsländer in den Blick, wobei sie sich aufgrund der historischen und kulturellen Veränderung der Gesellschaften für den Begriff der „Zielländer“ stark macht: die „displaced bones“ schließen keine Lücke. Unter anderem berichtete sie über die aufwendige Rückgabe einiger Herero-Schädel an die namibische Regierung.

Der Vortrag von Anna Brus (Universität Siegen) schloss an die Verflechtungsgeschichte von Objekten an, allerdings mit anderer Perspektivierung: Als Kunsthistorikerin beschäftigt sie sich mit „widerständigen Objekten jenseits des Kanons“ am Beispiel von Julius Lips (1895-1950) und seiner Sammlung zu Europäerdarstellungen. Der Ethnologe und Museumskurator trug Objekte zusammen, die „den Europäer“ bildlich darstellen. Anna Brus erläuterte in ihrem anschaulichen, mit zahlreichen Bildern unterlegten Vortrag wo und wie diese Objekte hergestellt wurden und zirkulierten. Die Darstellungen von Soldaten, Missionaren und Händlern galten als wertlose Kuriositäten, weil sie nicht der „primitiven Kunst der Naturvölker“ entsprachen, sondern im Gegenteil die Gleichzeitigkeit europäischer und außereuropäischer Lebenswelten betonten. Julius Lips plante die Objekte in einer Ausstellung im heutigen Rautenstrauch-Joest-Museum in Köln einer breiten Öffentlichkeit zugänglich zu machen, diese wurde aber von den Nationalsozialisten vereitelt. Im US-amerikanischen Exil veröffentlichte Lips 1937 das Bucht „The Savage hits back“, in dem er einen Teil der Europäer-Darstellungen aufnahm, die er in der Kölner Ausstellung nicht hatte zeigen können. Anna Brus erläuterte in ihrem Vortrag detailliert, wie Lips in einer aufklärerischen Umwertung des Primitivismus den wechselseitigen Blick von Kolonisatoren und Kolonisierten vor dem Hintergrund des europäischen Faschismus thematisierte und die außereuropäischen Darstellungen als radikale Kulturkritik interpretierte: In der Aggressivität des Objektes findet sich die Begegnung mit dem Eigenen durch den Blick des Anderen. Die Performativität dieser Objekte zeigte Anna Brus exemplarisch an einer nikobarischen Schreckfigur (die bezeichnenderweise auch den Buchtitel „The Savage hits back“ ziert und in dem Kontext nicht zufällig an den sogenannten „Hitlergruß“ erinnert), die  -inspiriert durch die koloniale Begegnung- die koloniale Gewalt in Europäergestalt deutlich zum Ausdruck bringt. Darüber hinaus verwies Anna Brus darauf, dass die Gegenständige in der Regel für den europäischen Markt hergestellt wurden. Es geht nicht in erster Linie darum, Kritik  an „den Europäern“ zu üben oder diese zu glorifizieren, es geht genauso um Aneignung und Teilhabe: Die Objekte sind inspiriert von der kolonialen Begegnung und den damit verflochtenen Ambivalenzen.

Im Anschluss an die lebhaften und anregenden Diskussionen wurde beschlossen, das Thema „Verflochtene Objekte“ im nächsten Workshop weiterzuführen und mit Blick auf ein mögliches Graduiertenkolleg oder eine Forschergruppe einen (neuen) Schwerpunkt zu legen. Der nächste Workshop wird voraussichtlich im Mai 2017 stattfinden. Interessierte sind herzlich eingeladen. Wenn Sie Fragen oder Anmerkungen haben, wenden Sie sich gerne an Anne Rohrbach (anne.rohrbach@uni-bremen.de).